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Die Liebe und die Kunst

Live | Bühne | Wolfgang Amadeus Mozarts Oper ›Die Zauberflöte‹

Wie weit reicht die Liebe und welche Widerstände müssen Mann und Frau aushalten, um diese ewige und unwiederbringliche Liebe zu spüren, zu erhalten und zu bewahren? Diese Frage stellt sich nicht nur JENNIFER WARZECHA.

Mozart ZauberflöteSie ist auch Grundlage der Inszenierung von Wolfgang Amadeus Mozarts Oper ›Die Zauberflöte‹ (Libretto von Emanuel Schikaneder; Uraufführung am 30. September 1791), in Pforzheim unter der musikalischen Leitung von Markus Huber, in der Inszenierung von Thomas Münstermann, Bühne und Kostüme von Thomas Mogendorf, der Chordirektion von Carl Philipp Fromherz und der Dramaturgie von Annika Hertwig (insgesamt von der Regie, Dramaturgie, Regie und Ausstattung sowie der musikalischen Leitung her einfach insgesamt vollauf überzeugend). Sie und die Schauspieler sowie die gesamte dramaturgische Darbietung begeistern die Zuschauer im prall gefüllten Großen Haus des Stadttheaters Pforzheim. Mehrmals zwischen den zwei Akten unterbrechen sie das Spiel mit begeisterndem Applaus und beenden es mit einem nicht enden wollenden, Wertschätzung zeigenden Applaus zum Schluss.

Es geht um Liebe und Macht, Kampf, Gemeinschaft und auch Gleichberechtigung der Geschlechter.
Tamino (absolut überzeugend und ausdrucksstark in Ausstrahlung und Gesang: Dennis Marr und Johannes Strauß) wird in einem ihm unbekannten Reich von einer Schlange verfolgt, die sich ihm als Plastikschlange an einem Stab durch die als Urwald gestaltete Bühne darbietet. Ohnmächtig vor Angst wird er von drei als Anstandsdamen in adretten Röcken, grauen Blusen und in Krawatte bekleideten Dienerinnen der »Königin der Nacht« (überzeugend akkurat und elegant: Franziska Tiedtke/Stamatia Gerothanasi/Michaela Schneider; Danielle Rohr/Dorothee Böhnisch und Gabriela Zamfirescu) gerettet und hofiert. Tamino schlängelt sich buchstäblich aus der Situation heraus.

Als Papageno, der Vogelfänger der »Königin der Nacht« (witzig, überzeugend und authentisch über die gesamte Länge der Oper hinweg: Paul Jadach/Cornelius Burger), dazu kommt und lügt, er habe Tamino befreien wollen und von den Dienerinnen der Königin der Nacht als Strafe für seine Lüge hinzukommt, tut er eines: Er ist einfach gerade zu Anfang, wie auch durchgängig im Stück, authentisch. Die Dienerinnen strafen Papageno mit der Gabe von Wasser und Brot statt Wein und Süßigkeiten. Sie zeigen Tamino ein Bild von Pamina (reizend grazil und ästhetisch sowie musikalisch überzeugend: Stamatia Gerothanasi/Franziska Tiedtke), er verliebt sich in sie und ist dazu bereit, sie aus den Fängen von Sarastro, der sie entführt hat, zu befreien.

Papageno, eine verzauberte Flöte, die schlussendlich alle Beteiligten der Handlung immer wieder zusammenführt, ein magisches Glockenspiel sowie drei Knaben, allesamt Mitglieder des Kinderchores des Theaters Pforzheim sowie auch Schülerinnen und Schüler aus den Musikklassen der 6. Jahrgangsstufe des Pforzheimer Hebel-Gymnasiums, jeweils unter der Leitung von Carl Philipp Fromherz und Joachim Balz, begleiten ihn dabei.

Ziel am Ende der Reise: Die große Liebe leben

So begibt sich Tamino zusammen mit Papageno auf den Weg, dahingehend, die Angst vor den Herausforderungen des Lebens zu bestehen, ihren Weg zu gehen, angedeutet durch die verschiedenen von Sarastro (majestätisch, hoheitsvoll und überzeugend in Gesang und Schauspiel: Lukas Schmid und Aleksandar Stefanoski) und seinen Priestern auferlegten Prüfungen, um schlussendlich das absolute Ziel zu erreichen: die große Liebe zu finden und in dem anderen seine letztendliche Heimat zu konstituieren.

Am Ende siegt die Liebe über Paminas Selbstmordversuch. Sie bringt es nicht fertig, wie von ihrer Mutter befohlen, Sarastro umzubringen. In dem Moment, als sie in Gedanken mit der Hand über das Messer fährt bis hin zur Armbeuge, wird sie von den Knaben davon abgehalten, aus dem Leben zu gehen. Auch Papageno lehnt in einer der letzten Szenen an dem mit einem Abbild eines Baumes deklarierten Bühnenbild. Er hat einen Strick um den Hals, pfeift auf seiner Flöte und sinkt tiefer. Die Knaben setzen sich zu ihm hin. Papageno nimmt ein paar Glöckchen aus seiner Schatulle. Damit läuten sie und gehen anschließend ab. Papageno steht da und singt von seiner Papagena. Diese kommt daraufhin grazil und elegant aus einer Kiste; sie ist es, die als alte Frau ursprünglich Papageno hatte verführen wollen (mit einem eleganten Blazer im gleichen Rotstich wie Papagenos Jackett und moderner, punkiger Perücke; modern und pfiffig und als solche für die Emanzipation der Frau stehend: Elisandra Melián und Natasha Sallès).

Mozart Zauberflöte

Beide singen fröhlich und rhythmisch von »Papageno, Papagena«. Die »Königin der Nacht« (gesanglich topp, grazil und auch äußerlich überzeugend und elegant sowie in einzelnen Szenen immer wieder beklatscht und bejubelt: Natasha Sallès und Elisandra Melián) und ihre Dienerinnen singen und bedecken sich mit Gewändern. Die Königin scheitert am Versuch, die Macht an sich zu reißen, während alle anderen glücklich und gestärkt aus der Oper herausgehen.

Brillant inszeniert sowie gesanglich und schauspielerisch topp, mit besonderer Herausstellung der schauspielerischen Leistung der Kinder in der Oper. Absolut empfehlenswert!

| JENNIFER WARZECHA

Titelangaben
Wolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte
Stadttheater Pforzheim

Besetzung
Pamina — Stamatia Gerothanasi (21.10.) / Franziska Tiedtke (18.10.)
Tamino — Dennis Marr (18. und 21.10.)/ Johannes Strauß
Sarastro — Lukas Schmid (18.10.)/ Aleksandar Stefanoski (21.10.)
Papageno — Paul Jadach/ Cornelius Burger (18. + 21.10.)
Papagena — Elisandra Melián(18.10.)/ Natasha Sallès (21.10.)
Königin der Nacht — Natasha Sallès (21.10.)/ Elisandra Melián (18.10.)
Sprecher — Klaus Geber
Monostatos — Philipp Werner
Priester — Lothar Helm

Musikalische Leitung — Markus Huber
Inszenierung — Thomas Münstermann
Bühnenbild und Kostüme — Thomas Mogendorf
Dramaturgie — Annika Hertwig

Termine
Donnerstag, 02.11.2017, 20:00
Sonntag, 05.11.2017, 15:00
Donnerstag, 30.11.2017, 20:00
Mittwoch, 13.12.2017, 20:00
Montag, 25.12.2017, 19:00
Sonntag, 14.01.2018, 15:00

Weiterlesen
Mozarts ›Zauberflöte‹ – Inszenierung in Karlsruhe (29. Oktober 2015)

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