/

Finnland und die orchestrale Musik – ein Herbstmärchen

Live | Musik: Stratovarius & Tarja Turunen: A Nordic Symphony

Die einen umjubelt von der »Symphonic Metal Scene« in Finnland und die andere dank ihrer Ära bei ›Nightwish‹ eine international bekannte Metal-Sopranistin. Bei der gemeinsamen Tour von Stratovarius und Tarja Turunen darf man sich auf etliche Überraschungen freuen. Zusammen haben sie mit ihrem Mix aus progressivem Metal kombiniert mit eingängigen Melodien ein ganz eigenes Genre geprägt. ANNA NOAH freut sich über einen geglückten Auftritt.

Serpentyne

Für die Konzertreise ›A Nordic Symphony‹ wurde ›Serpentyne‹ als Vorband verpflichtet. Seit 2010 erfreuen die eher unbekannten Londoner mit »Symphonic-Folk-Metal«.

An diesem Abend heizten sie der Festhalle dreißig Minuten durchaus ein. Drei Musiker in mystischen Gewändern, einer davon ausgerüstet mit elektronischem Dudelsack, gaben ihren Songs einen ganz eigenen Touch. Der Stimmumfang von Sängerin Maggiebeth Sand war herausragend, immerhin ist sie ausgebildete Sopranistin, auch wenn sie an diesem Abend nicht alle Töne immer korrekt traf. Trotzdem dominierte sie die ersten drei Songs durchgehend.

Die Fans in der ersten Reihe sprangen ausgelassen zu Trommeln, Dudelsack und Gitarrenklängen. Wobei der Gitarrist seine eigene Performance hinlegte. Chaotisch rannte er mal nach hinten, mal nach vorn über die Bühne. Chaos könnte aber auch ein Markenzeichen der gesamten Band sein – denn eine der Trommlerinnen kam zu spät zu ihrem Auftritt. Der Gig wirkte generell ein bisschen unübersichtlich, was der eigentlich guten Musik aber keinen Abbruch tat.

Präsenz und Magie

›Stratovarius‹ ist eine der einflussreichsten, erfolgreichsten und beständigsten Power-Metal-Bands.

»Stratovarius«
1985 startete die heute als Stratovarius bekannte Band unter dem Namen ›Black Water‹. Es folgten in 30 Jahren sechzehn Studioalben, zehn Top-5-Platzierungen in Finnland sowie über 40 weitere Chartplatzierungen weltweit. Zusätzliche Meilensteine ihrer Innovationskraft sind die aktuellen Studioalben ›Elysium‹, ›Nemesis‹ und ›Eternal‹.

Beim ersten Ton der Band ist klar, dass sie eine Präsenz haben, die man selten verspürt. Einen großen Anteil daran hat der Frontmann Timo Kotipelto, der seit 1994 dabei ist. Ihm gelingt es, den Songs Magie einzuhauchen. Eine bezaubernde Melodie nach der anderen folgte, getragen von seiner eigenwilligen Stimme. Zu Beginn waren Keyboard und Schlagzeug kurzzeitig zu dominant, aber das legte sich schnell. Mit ›Eagleheart‹, ›Forever‹ und ›Oblivion‹ legten sie einen guten Start für die nächsten 75 Minuten hin. Alles sah spielend einfach aus und man merkte, dass es ihnen Spaß machte – auch nach 30 Jahren noch.

Songs wie ›Shine in the Dark‹, ›Paradise‹ oder ›4000 Rainy Nights‹ luden zum Träumen ein.
Auch gab es ein paar Soloparts von Keyboard und Gitarre, in denen sich der Frontmann den Fans widmete, Videos mit deren Handy drehte oder Hände schüttelte. Viel Sympathie auf beiden Seiten.
Den Abschluss bildeten die Klassiker ›Unbreakable‹ und ›Hunting High and Low‹.

Stratovarius

Diva

Das Intro ihrer eigenen Band steigerte die Vorfreude auf Tarja Turunen bis ins Unermessliche. Endlich betrat die begnadete Sängerin die Bühne.

»Tarja Turunen«
Tarja war neun Jahre lang Mitbegründerin, Stimme und Image der finnischen Symphonic-Metal-Band ›Nightwish‹, mit der sie weltweit Gold- und Platinumauszeichnungen erhielt. Sie vereint seit jeher Rock und Klassik in außergewöhnlicher Weise. Die Sopranistin entschied sich 2005, ihren eigenen Weg zu gehen und hat in ihrer bisherigen Karriere bereits mehr als 800 Shows weltweit aufgeführt. Damit hat sie hat es geschafft, nach einer klassischen Gesangsausbildung etwas Neues zu schaffen und sich dort gut etabliert.

Ihr Outfit war wie immer eine große Überraschung: Viele Reißverschlüsse an der Hose, dazu ein schwarzes Nietenkorsett. Ihre Stimme war perfekt. Die Akustik im Raum hat allerdings ein bisschen dazu beigetragen, dass sie weniger voluminös wirkte. Hinzu kam, dass sie anfangs extrem gegen ihre eigene Band ansingen musste. Das Schlagzeug übertraf zusammen mit der Bassgitarre alle und jeden, damit untergruben sie das eigentlich geniale E-Cello.

Doch Tarja hat das locker weggesteckt. Unsicherheiten überspielte sie geradewegs durch die Interaktion mit dem Publikum. Und dieses war sehr dankbar, wie man an den wiederkehrenden »Tarja«-Rufen hörte.

Interessant war die Setlist, die tatsächlich wie bei ›Stratovarius‹ nur aus eigenen Songs bestand. Zum Beispiel ›Demons in you‹, ›Deliverance« oder ›Love to hate‹.
Es gab eine ungewohnte Songabwandlung von ›I walk alone‹. Im Vergleich zum Original war es allerdings zu kurz und die charakteristischen Klänge fehlten.
Manche Fans erwähnten hinterher, dass sie irgendwie noch auf einen alten ›Nightwish‹-Song gelauert hätten, doch Tarja überzeugte lieber mit ihren eigenen Liedern – vollkommen korrekt.
Doch ein altes ›Nightwish‹-Ritual blieb: Der Kleiderwechsel zur Hälfte der Show. Im zweiten Teil erfreute sie mit Lackhose, durchsichtigem Oberteil und Krone auf dem Kopf – passend zu ihrem ›Diva‹-Song. Danach nahm sie die Krone ab und bedankte sich beim Publikum für die Unterstützung und Begleitung über all die Jahre ihrer Solo-Karriere.

Tarjas 75 Minuten waren besonders schnell um. Man hatte das Gefühl, es könnte noch etwas weitergehen. Rockig angehauchte Melodien, die ab und an sogar ins Grunge abdrifteten, standen ihr erstaunlich gut. Dennoch wollte die besondere Konzert-Stimmung bei diesem Auftritt nicht überspringen – und dass, obwohl Tarja und ihre Band mit viel Power und Freude auf der Bühne standen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Entschluss dieser beiden finnischen Größen, gemeinsam auf Tour zu gehen, war ein guter.

| ANNA NOAH
| Fotos: CYNTHIA THEISINGER / Sharpshooter

Konzertangaben
A Nordic Symphony
Bands
Serpentyne
Stratovarius
Tarja Turunen und Band

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Vier Gedichte

Nächster Artikel

Eine Katze, ein Fisch, ein Hund und ein Krokodil

Neu in »Bühne«

Das sind die Bretter, die die Welt bedeuten!

Bühne | Mikro-Musical am Altonaer Theater Hamburg »Und nimm‘ jetzt auch mal bitte die Hand von meinem Knie, ich bin zweimal so alt und stehe nicht auf Päderastie!« »Madame, was die Zahl der Jahre angeht, das sag‘ ich einfach mal, das ist mir so was von schnurzpiepscheißegal!« Als Delio bei einem Casting auf seine frühere Lehrerin trifft, flammen nicht nur alte Gefühle wieder auf. Ein hochamüsantes Duett über die Liebe zum Leben und zur Bühne. Aber Vorsicht: Hier bleibt kein lachendes Auge trocken. Von MONA KAMPE PDF erstellen

Zeitreise in die 70er

Musik: Coverband Lead Zeppelin in Würzburg Lead Zeppelin spielen nicht nur originalgetreu die Musik ihrer Lieblingsband nach – sie sehen auch noch ganz genauso aus. MARC HOINKIS sah sie am 01.02. in der Posthalle PDF erstellen

Prinz Siegfried und seine Odette

Bühne | Ballett: Schwanensee Das erste, was den meisten bei Ballett in den Sinn kommt, sind Aufführungen zur Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowski. Die sogenannten Handlungsballette ›Der Nussknacker‹, ›Schwanensee‹ und ›Dornröschen‹ sind nicht mehr aus dem Repertoire der Bühnenaufführungen wegzudenken. Nur die perfekte Symbiose von Musik und Choreographie machen diese Werke zu einer äußerst attraktiven Kunstform. ANNA NOAH ist gespannt, ob der Funke des russischen Ballett-Märchens überspringt. PDF erstellen

Let’s do the Time Warp again!

Live | Bühne | Musical:Rocky Horror Show Es gibt wohl kein Musical auf dieser Welt, was lustvoller und mitreißender wäre, als die von Richard O’Brien geschaffene ›Rocky Horror Show‹. Sein abgedrehter Hauptcharakter Frank N. Furter ist seit der Uraufführung 1973 nahezu unsterblich, auch wenn seine Haarfarbe je nach Inszenierung wechselt. Wie schafft es die Kultshow, über Jahrzehnte attraktiv zu bleiben? Denn die eigentliche Hauptaufgabe – das Spießbürgertum sexuell schockrocken – dürfte ja in der heutigen Zeit nicht mehr nötig sein. Oder? ANNA NOAH ist auf Spurensuche. PDF erstellen

Ein Leben zwischen Schall und Rauch

Live | Bühne: Falco – The spirit never dies Freudestrahlende Gesichter auf der Premierenfeier, Beglückwünschung der herausragenden Leistung aller Mitarbeiter, Ensemblemitglieder und Herausstellung dessen, dass das gesamte Ensemble des Balletts am Erfolg beteiligt war – so enthusiastisch und zurecht erfolgsverheißend geht die Premiere von ›Falco – the spirit never dies‹ im Pforzheimer Stadttheater zu Ende. JENNFIER WARZECHA über Leben und Werk eines Ausnahmekünstlers PDF erstellen