Lecker!

Kinderbuch | Isabel Pin: Mein Butterbrot

Ein Butterbrot. Banal? Kein bisschen. Wer mag, kann die lecker belegte Stulle aufklappen und nachschauen. ANDREA WANNER lässt es sich schmecken.

ButterbrotDas Format ist handlich. Größer als ein belegtes Brot, aber so sofort als solches zu erkennen. Da liegt es auf einem karierten Tuch, zwei Scheiben Brot, dazwischen ist Käse erkennbar. Und Tomatenscheiben. Und Gurkenrädchen. Aber jetzt mal ganz langsam und der Reihe nach.

Zuerst ein Scheibe Brot. Auf die kommt Butter. Und dann ein bisschen Senf. Darauf ein Salatblatt. Es folgen die Gurkenscheiben, dann die Tomaten. Darauf der Käse. Dann frische Kräuter: Dill, Schnittlauch, Petersilie. Dann Sonnenblumenkerne. Und dann die zweite Scheibe Brot. Fertig.

Und das ist alles? Eigentlich schon. Fein säuberlich schichtet Isabel Pin das der Reihe nach auf der rechten Buchseite auf das Brot. Eine zartgelbe Butterschicht, ein grünlich schimmernder Klecks Senf, zwei grüne Salatblätter, sechs filigrane Gurkenrädchen, drei knallig rote Tomatenscheiben, eine goldene Scheibe Käse mit Löchern drin, grüne Kräuterschnipsel, dunkle Sonnenblumenkerne. Und dann der Brotdeckel. Collagenkunst vom Feinsten. Zum Reinbeißen. Basisgourmetküche für kleine Feinschmecker und Schleckermäuler. Und ein Augenschmaus ist es allemal.

Und das war’s? Na ja, wer gar nicht genug bekommen kann, für den gibt’s auch noch die linke Buchseite. Da stellt ein neugieriges Kind Fragen zu dem, was da aufs Brot kommt. Woher kommt eigentlich die Butter? Wie macht man Senf? Wo wachsen die Tomaten und Gurken? Erstaunt stellt man fest, wie viele Menschen gearbeitet haben, damit am Ende so ein belegtes Butterbrot in die Vesperbüchse für den Kindergarten kann. Der Bäcker, der Bauer, die Verkäuferinnen und Verkäufer im Supermarkt und auf dem Wochenmarkt. Die Oma (von der ist der Salat). Und beim Aufzählen fallen dem kleinen Ich-Erzähler dann noch mehr Personen und Sachen ein, die daran beteiligten waren.

Es ist ein unaufgeregter Blick auf die kleinen Dinge des Lebens, auf die Details. Das hat viel mit Wertschätzung und Respekt zu tun. Die Geschichte des Butterbrots erzählt aber auch einer behüteten Kindheit, von Eltern, die sich kümmern, die mit ihrem Kind sehr bewusst einkaufen gehen und sich morgens vor der Kita die Zeit nehmen, ihm ein Brot zu richten und es dann in die Kita begleiten. Das sind alles keine Selbstverständlichkeiten. Um so schöner, dieses Idyll in einem Bilderbuch wiederzufinden.

| ANDREA WANNER

Titelangaben
Isabel Pin: Mein Butterbrot
München: Tulipan 2020
24 Seiten, 12 Euro
Bilderbuch ab 2 Jahren
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