Kunst zu erschwinglichen Preisen

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Kunst | Kunst sammeln mit wenig Geld Nr. 3 – Chancen bei den kleinen Auktionshäusern

Firmen wie Grisebach in Berlin, Ketterer oder Neumeister in München, Lempertz oder Van Ham in Köln bestimmen das hiesige Auktionsgeschehen im hochpreisigen Segment und erzielen für Werke herausragender Künstler auch mitunter Preise von mehr als einer Million, was noch vor Jahren kaum denkbar gewesen wäre. Von PETER ENGEL

Insbesondere die deutschen Expressionisten sind bei diesen Versteigerungen gefragt, Max Pechstein, das Mitglied der bedeutenden Künstlergruppe ›Brücke‹, war dabei in jüngerer Zeit häufiger der »Star« der vermögenden Bieter.

So etwas wird der Sammler mit kleinem Geldbeutel eher mit Verwunderung registrieren, aber für ihn gibt es zahlreiche kleinere Firmen, die durchaus interessante und vor allem häufig besonders günstig bewertete Werke offerieren. Diese unbekannteren Auktionshäuser sind über ganz Deutschland verstreut, haben sich vielfach auf die Künstler der jeweiligen Region spezialisiert und bringen Arbeiten auf den Markt, die man anderswo eben nicht findet. Es kommt hinzu, dass sie meist nur einen kleinen Mitarbeiterstab haben und bei der Beschreibung ihrer angebotenen Objekte nicht immer mit letzter Gründlichkeit vorgehen können, manche Zuschreibung deshalb unsicher ist, mitunter auch etwas übersehen wird. Hier tun sich Chancen für den Kunstkenner auf, der bei der Vorbesichtigung ein unterbewertetes Bild mitunter besser einschätzen kann als der Auktionator selbst – und so vielleicht bei der Versteigerung sein Glück macht.

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Auch in den Kunsthochburgen wird der Sammler mit schmalen Mitteln nicht unbedingt die großen Auktionshäuser ansteuern, sondern die aus der zweiten Reihe bevorzugen. Wer sich etwa für Künstler aus der früheren DDR interessiert, findet ein reichhaltiges und immer noch sehr preiswertes Angebot bei der Hauptstadtfirma Ostdeutsche Kunstauktionen. Dabei geht es nicht nur um die mittlerweile teuer gewordenen Werke der »Viererbande«, wie die Maler Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer, Werner Sitte und Werner Tübke wegen ihres großen Einflusses scherzhaft genannt wurden, sondern mehr noch um ihre begabten Schüler, deren Werke, insbesondere Graphiken, deutlich günstiger zu haben sind.

Besonders interessant ist auch das Auktionshaus Dr. Irene Lehr in Berlin mit vielen marktfrischen und gleichwohl günstigen Angeboten, worunter qualitativ hochwertige Gemälde von fast vergessenen deutschen Malern der »verschollenen Generation« zu finden sind, die eine Wiederentdeckung verdienen.

In Hamburg, wo die ehrwürdige Firma Hauswedell & Nolte – zum Bedauern vieler Sammler – unlängst ihre langjährige Tätigkeit einstellte, ist das sehr bemühte Auktionshaus Stahl noch lange nicht in die Rolle des früheren Platzhirsches geschlüpft. Doch auch dort findet man jetzt vermehrt gute Bilder von Malern der Hamburger Secession, die bis zum Beginn der Nazi-Barbarei in der Hansestadt für eine gewisse Kunstblüte sorgten – und immer einmal wieder werden diese Werke zu durchaus erschwinglichen Preisen zugeschlagen.

Dass man im Übrigen gerade in der Provinz ein Schnäppchen machen kann, dafür steht etwa die Firma Heickmann in Chemnitz, die vorzugsweise Werke sächsischer Maler anbietet und wo noch vor einiger Zeit eine interessante Graphik des renommierten Künstlers Michael Morgner für ganze 40 Euro zu haben war.

Der interessierte Sammler muss keineswegs herumreisen, um die Offerten der verschiedenen kleinen Auktionshäuser wahrzunehmen, es gibt vielmehr seit längerer Zeit das Internetportal www.lot-tissimo.com, über das zahlreiche der kleineren Firmen – auch große sind dort durchaus vertreten – ihre Angebote präsentieren. Einige Auktionsfirmen aus den deutschen Nachbarländern sind ebenfalls daran beteiligt. All diese Häuser informieren über bevorstehende Versteigerungen und stellen ihr gesamtes Angebot online ins Netz, so dass man es sich am häuslichen Computer in aller Ruhe ansehen und dann natürlich auch entsprechende Fragen stellen oder Recherchen vornehmen kann.

Es gibt auf der lottissimo-Plattform eine Suchfunktion, mit deren Hilfe sich ein Sammler in Sekundenschnelle darüber informieren kann, was ihm bei Eingabe eines Stichworts von allen Mitgliedsfirmen an Einschlägigem angepriesen wird. Das Mitbieten ist aus der Ferne vorab per Mail-Gebot oder auch aktuell per Telefon möglich, und bei einigen Auktionshäusern kann man das Versteigerungsgeschehen sogar am eigenen Computer verfolgen und selbst online mitbieten. Für viele Sammler, die für Reisen zu entlegenen Standorten von Versteigerungsfirmen kein Geld übrig haben und auch ansonsten knapp bei Kasse sind, tun sich hier interessante Möglichkeiten zum günstigen Kunsterwerb auf.

| PETER ENGEL

Bisher erschienen
| Wie man Kunstsammler werden kann – in TITEL kulturmagazin
| Sammeln mit Hilfe des Internets in TITEL kulturmagazin

Nächste Folge: Kunsterwerbungen beim Atelierbesuch

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