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Großbritannien

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Haarsträubend, katastrophal

Gesellschaft | Colin Crouch, Die bezifferte Welt. Wie die Logik der Finanzmärkte das Wissen bedroht

 
In seinem neuesten Werk zeichnet Colin Crouch, der den Begriff ›Postdemokratie‹ prägte, ein erschütterndes Bild von der britischen Gesellschaft der Gegenwart. Der Satz »There is no such thing as society«, fälschlich Margaret Thatcher zugeschrieben, trifft dennoch diesen Zustand und erklärt gleichzeitig, weshalb Jeremy Corbyn, von der elitären FAZ herablassend zum »Heilsbringer der Toten« degradiert, zum Favoriten für den Parteivorsitz der Labour Party wurde. Von WOLF SENFF

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Die Amerikaner kommen

Roman | Anthony Horowitz: Der Fall Moriarty

Ganz London ist in Aufruhr – von der Unterwelt bis zum Oberhaus. Offenbar hat ein Mann namens Clarence Devereux den Tod von Professor Moriarty in den Reichenbachfällen genutzt, um sich an die Spitze der Verbrecherwelt der Themsestadt zu setzen. Devereux kommt aus New York und einer, der ihn im Auftrag der Pinkerton-Agentur von dort nach Europa gefolgt ist, weiß, was das bedeutet: »Der amerikanische Kriminelle hat kein Urteilsvermögen und keinen Sinn für Loyalität.« Wahrscheinlich mordet er sogar in der heiligen Stunde des Five’o’Clock-Teas – eine ganz neue Qualität von Verbrechen sucht die britische Metropole heim! Also bietet der Pinkerton-Mann Frederick Chase den Inspektoren von Scotland Yard seine Hilfe an. Denn irgendwie muss man dieser neuen Herausforderung ja begegnen. DIETMAR JACOBSEN hat den neuen Roman Der Fall Moriarty von Anthony Howowitz gelesen.

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Family Values zwischen Hunnen und »the Colonies«

Menschen | Susanne Kippenberger: Das rote Schaf der Familie

In England waren sie in den 1920er und frühen 1930er Jahren das, was heute It-Girls sind: Die Mitford-Schwestern. Bei uns hat man eventuell Romane von Nancy gelesen oder mal gehört von dieser anderen mit dem komischen Namen Unity und dem Faible für Hitler. Aber Jessica? Dabei nennt Joanne K. Rowling sie ihr großes Vorbild. An ihrem Sterbebett saß Maya Angelou, die schwarze Dichterin, die Clintons Inauguration besingen durfte, und nach ihrem Tod 1996 gab es gleich zwei Trauerfeiern, eine britische und eine US-amerikanische. Seit 2013 kann man endlich etwas von ihr selbst auf Deutsch lesen, ›Hunnen und Rebellen‹ (Berenberg-Verlag, übersetzt von Joachim Kalka), und jetzt ist Susanne Kippenbergers pralle biographische Erzählung ›Das rote Schaf der Familie. Jessica Mitford und ihre Schwestern‹ erschienen. Wird Zeit, sie kennenzulernen! Von PIEKE BIERMANN

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Vorsicht vor Frauen und Schnaps

Gesellschaft | Leitfaden für britische Soldaten 1944

Spätestens seit die US-Regierung auf den 9/11-Terror mit Bombeneinfällen im Irak reagierte, kennt man auch im friedensverträumten Deutschland das Wort »Exit-Strategie«. Man sollte, besagt es, nicht irgendwo einfallen, wenn man nicht weiß, wie man wieder rauskommt. Das leuchtet selbst Zivilisten ein, ist aber nur der zweite Schritt. Der erste – für den zweiten unabdingbare – scheint in neuen »asymmetrischen« Kriegen fatalerweise wegtechnologisiert zu sein: Man sollte das Land, in das man einfällt, sehr gut kennen. Nicht nur die Geo- und Topographie samt Klima, sondern die Menschen und deren Geschichte, Kultur, Lebensart, Mentalität. Mit einem altmodischen Wort: Landeskunde. Von PIEKE BIERMANN

Prolls
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Very British? No!

Gesellschaft |Owen Jones: Prolls

Die Bank- & Börsenwacht an der Themse, die nazifixierte Presse, Anti-Europapolitiker, mal wieder vors Objektiv geratene sekundäre Geschlechtsmerkmale von royals – viel mehr ist aus unseren Medien kaum zu erfahren über das Vereinigte Königreich. Das hiesige Traditionsbild aus Miss Marple und Jack the Ripper, exzentrischen Schrullen und stiff upper lips bleibt ungestört. Owen Jones räumt damit gründlich auf. Sein Buch Prolls. Die Dämonisierung der Arbeiterklasse erzählt in Reportagen und Reflexionen, wie dieses Land heute tatsächlich tickt, nicht nur bei denen »da unten«. Von PIEKE BIERMANN

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