Menschen | Alfred van Cleef: Die verborgene Ordnung Die Null ist eine faszinierende Zahl, weil sie keine ist. Sie ist ein willkürlich gesetztes Zeichen für etwas ohne konkreten (Zahlen-) Wert. Was passiert eigentlich, wenn man eine ebenso willkürlich über den Globus gezogene, unsichtbare Linie als Reiseroute wählt? Davon erzählt in seinem neuen Buch Die verborgene Ordnung. Eine Reise entlang des Nullmeridians der niederländische Journalist und Reiseschriftsteller Alfred van Cleef. Von PIEKE BIERMANN
Menschen | Martha Gellhorn: Das Gesicht des Krieges Sie war die Kriegsreporterin des letzten Jahrhunderts – Martha Gellhorn, Amerikanerin, links, intellektuell und auch noch schön. Was – und vor allem wie – sie erzählt aus fünfzig Jahren Krieg, das ist auch im neuen Jahrhundert dringend nötige Aufklärung, gerade für deutsch(sprachig)e Leser. Der Züricher Dörlemann-Verlag hat sie jetzt wieder zugänglich gemacht: Das Gesicht des Krieges. Reportagen 1937-1987. Von PIEKE BIERMANN
Menschen | Moritz Pfeiffer: Mein Großvater im Krieg 1939-45 Mein Großvater im Krieg 1939-45. Erinnerung und Fakten im Vergleich ist ein schlanker Band, der es in sich hat. Vor allem wegen der Geschichte dahinter, die mit einer herzlichen Tollkühnheit beginnt und ihren Autor ziemlich bald zwischen Scylla und Charybdis bringt. An Büchern und Dokumentarfilmen zur Frage »War auch meine Familie Nazi?« herrscht nicht eben eklatanter Mangel, aber so wie der junge Historiker Moritz Pfeiffer hat noch niemand das Thema angepackt. Von PIEKE BIERMANN
Menschen| Michael Horeni: Die Brüder Boateng Michael Horeni, Sportjournalist der FAZ, blickt in Die Brüder Boateng. Drei deutsche Karrieren hinter die Fassade dreier ungleicher Brüder, von denen es die beiden jüngeren, Kevin-Prince und Jerome, zu Spitzenfußballern geschafft haben, während dem ältesten, George, trotz großen Talents dies verwehrt geblieben ist. Horeni belässt es dabei keineswegs bei einer weiteren Fußballerbiografie. Der Fall der Boatengs steht sinnbildlich für einige der am hitzigsten diskutierten gesellschaftlichen Aspekte unseres Landes: Integration, zerrissene Familien und Bildungsungleichheiten. Von MARC STROTMANN
Interview | Der Fluxus-Pionier Ben Patterson über Fluxus als Haltung, die schwarze Bürgerrechtsbewegung und ein Versprechen an Mount Fuji Vor 50 Jahren kratzten Unbekannte »Die Irren sind los« in das Werbeplakat. Im Hörsaal des städtischen Museums Wiesbaden fanden damals im Rahmen der Fluxus-Festspiele Neuester Musik vom 1.-23.September 1962 die weltweit ersten Fluxus-Performances statt. Das Fernsehen sendete die Ereignisse und die subversive Strahlkraft dieses Fluxus-Urknalls verbreitet seitdem ihr Unwesen. Von SABINE MATTHES
Menschen | Friederike Wißmann: Hanns Eisler Friederike Wißmanns ansprechende Biographie des Komponisten Hanns Eisler – von HANS-KLAUS JUNGHEINRICH
Novelle | Hans Joachim Schädlich: Sire, ich eile Hans Joachim Schädlich gehört fraglos immer noch zu den unterschätzten Autoren des deutschen Sprachraums. Dabei versteht es der 76-jährige Autor geradezu meisterlich, komplexe Sachverhalte durch radikale sprachliche Reduktion auf extrem schmale Buchumfänge zu komprimieren. Diese stilistische Finesse zieht sich wie ein roter Faden durch Schädlichs Oeuvre – von Versuchte Nähe (1977) bis Kokoschkins Reise (2010). Nun legt der ausgebildete Sprachwissenschaftler, der 1977 aus der damaligen DDR in den Westen übergesiedelt ist, eine pointierte, schmale Novelle vor, die es in ihrer Substanz mit opulenten Biografien und wissenschaftlichen Abhandlungen aufnehmen kann. Von PETER MOHR
Menschen | Dieter Bub: Begegnungen mit Joachim Gauck Begegnungen mit Joachim Gauck – ein Taschenbuch-Schnellschuss von Dieter Bub. Von HANS-KLAUS JUNGHEINRICH
Menschen | Werner Schroeter: Tage im Dämmer, Nächte im Rausch Vor fast zwei Jahren, am 12. April 2010, ist der Film- & Theaterregisseur Werner Schroeter gestorben. Er war gerade 65 Jahre alt geworden. Unter den Regisseuren des »Neuen deutschen Films« war der 1945 in Thüringen geborene, jedoch in Bielefeld, Neapel und Heidelberg aufgewachsene Werner Schroeter der außergewöhnlichste Künstler. Ein kompromissloser Melodramatiker wie kein zweiter, ein Tragiker der Empörung, ein Schmerzensmann der herzzerreißenden Emotion. Von WOLFRAM SCHÜTTE
Menschen | Joachim Gauck: Freiheit Der Katzenjammer ist vorprogrammiert. Wo so viel Vorschusslorbeeren verteilt werden und so viel Jubel auf Verdacht ertönt, kann es nur Enttäuschungen geben. Es ist ähnlich wie bei der Bestellung des künftigen Intendanten für das Stuttgarter Schauspiel, Armin Petras. Berauscht von dem Coup, der einen Theaterleiter aus der Hauptstadt weglocken konnte, verspricht man sich am Neckar ein Goldenes Zeitalter. Von THOMAS ROTHSCHILD

