Thomas Glavinic: Der Kameramörder
Thomas Glavinic ist noch keine dreißig Jahre alt und legt nun nach ›Carl Haffners Liebe zum Unentschieden‹ (1998) und ›Herr Susi‹ (2000) mit ›Der Kameramörder‹ bereits seinen dritten vorzüglichen Roman vor. Einem ganz brisanten Sujet hat sich der gebürtige Grazer gewidmet: dem sensationslüsternen Boulevardjournalismus der privaten Fernsehsender. Von PETER MOHR
Roman | Hans Löffler: Letzte Stunde des Nachmittags
Hans Löffler hat mit ›Letzte Stunde des Nachmittags‹ einen grandiosen Roman vorgelegt, der an Dichte und Intensität kaum zu überbieten ist und zuweilen wie ein Gedicht anmutet. Findet FRANK THOMAS GRUB
Kurzprosa | Laura Hird: Nägel-Stories
Das ist schon heftige Kost, die einem da präsentiert wird: eine ungewöhnliche Autorin mit ungewöhnlichen Erzählungen. Laura Hird, Jahrgang 1966, geboren in Edinburgh, ist nach eigenem Bekunden nur dreimal so richtig von Zuhause weg gewesen. Dafür, das belegen die Geschichten, hat sie eine überwältigende Phantasie. Von BARBARA WEGMANN
Philip Roth: Das sterbende Tier
In seiner verwilderten Novelle ›Das sterbende Tier‹ erzählt Philip Roth mit Schmackes von einer nicht nur sexuellen Obsession. Von WOLFRAM SCHÜTTE
Kulturbuch | Beatrix Müller-Kampel: Hanswurst, Bernardon, Kasperl
Das Buch von Beatrix Müller-Kampel lesen, heißt ein Schlachtfeld betreten. Wir wohnen der Hinrichtung von Hanswurst, Bernardon und schließlich des schon weitgehend gezähmten Kasperle bei. Von JÖRG DREWS
Kulturbuch | D./P. Kladstrup: Wein & Krieg
Don & Petie Kladstrup sind keine Dänen, sondern sympathisch-liebenswerte US-Amerikaner, die als Journalisten schon lange in Paris und der Normandie leben und über Wein schreiben, obwohl ihnen ja der Calvados näherliegen müsste. Von WOLFRAM SCHÜTTE
Kinderbuch | Philip Ardagh: Schlimmes Ende
Es gibt verrückte Geschichten und es gibt total verrückte Geschichten. In die zweite Kategorie gehört der haarsträubende Bericht von Philip Ardagh über das Schicksal von Eddie Dickens. Von ANDREA WANNER
Kinderbuch | Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte
Auch unser Löwe stört sich weiter nicht an seiner Unkenntnis, weil er stattdessen andere Dinge kann. Bis er eine Löwin trifft, sich ins sie verliebt und ihr das gern in einem richtig schönen Liebesbrief auch sagen möchte. Denn die in einem Buch lesende Löwendame macht auf den Löwen einen sehr gebildeten Eindruck. Von ANDREA WANNER
Prosa | Michael Lentz: Muttersterben
Mit dem Text Muttersterben gewann Michael Lentz 2001 den Ingeborg-Bachmann-Preis; jetzt ist sein Erzählband als Taschenbuch erschienen: ein großes formales Experiment, eine Prosa, in der die Grenzen der Sprache neu vermessen werden. Von PETER MOHR
Musik | Frederick J. Spencer: Jazz and Death
Jazz and Death Wollen wir das eigentlich wirklich so genau wissen? Vermutlich ist Billie Holiday im Manhattan Hospital am 17. Juli 1959 deswegen gestorben, weil sie sich, von Leberzirrhose und Herzschwäche eh schon stark angeschlagen, ein paar Dollarscheine in die Vagina geschoben, dadurch den dort angebrachten Katheder infiziert hat, der das Ganze an die Blase und schliesslich an die Nieren weitergeben hat, was letztlich zu einer tödlichen Nierenentzündung führte. Es war rein medizinisch sogar noch komplizierter, aber das schenken wir uns jetzt. Von THOMAS WÖRTCHE

