Jugendbuch | Anna Woltz: Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess Der eine hat panische Angst, die zu verlieren, die er liebt, die andere will um jeden Preis jemandem zum Lieben dazugewinnen. Anna Woltz hat in ›Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess‹ zwei in extremen Gefühlslagen zusammengespannt und ein denkwürdiges Kinderpaar in die Welt gesetzt, samt einer Geschichte, die wunderbar und seltsam genug ist, um lange im Gedächtnis zu bleiben. Von MAGALI HEISSLER
Roman | Maria Lazar: Die Vergiftung Die Frau als Muse des Künstlers begegnet uns an zahlreichen Stellen der Kulturgeschichte – Charlotte von Stein, Camille Claudel, Alma Mahler-Werfel oder auch Helene Weigel haben zugunsten von Männern auf die eigene Arbeit als schaffende Künstlerin verzichtetet. Die meisten Frauen, die sich um die Jahrhundertwende 1900 trotzdem selbst künstlerisch betätigten, sind mittlerweile marginalisiert als Fußnote der Geschichte. Der Wiener Verlag Das vergessene Buch hat nun den Roman Die Vergiftung der Wiener Autorin Maria Lazar – erstmals 1920 erschienen – neu aufgelegt. Von HUBERT HOLZMANN
Jugendbuch | Gerlinde Kurz: Strandgut Wer Strände bei Ebbe kennt, Ufer von Seen oder Flüssen bei sinkendem Wasserstand, hat es gleich vor Augen: Seltsam geformte Holzstücke, Flaschen, Plastiktüten, Muschelschalen, glatt geschliffene Glasstückchen, verrostetes Eisen, Müll und Wiederwertbares, Dreck und Schönheit nebeneinander. Gerlinde Kurz hat sich in ›Strandgut‹ davon zu einem Bild des Lebens inspirieren lassen. Und sich deutlich zu viel zugemutet. Von MAGALI HEISSLER
Roman | Arno Geiger: Selbstporträt mit Flusspferd Spätpubertierende Studenten, unerfüllte Liebe und ein antriebsloses Hippopotamus vermengt der österreichische Autor Arno Geiger zu einem trägen Sommerroman. Gelangweilt kämpft sich INGEBORG JAISER durch ein fahles Selbstporträt mit Flusspferd.
Film Spezial | JFFH 2015: Unknown Town, Japan 2015, OmeU, Donnerstag, 28. Mai, 20 Uhr Nach wenigen Minuten ›Unknown Town‹ ist sofort präsent, was der Zuschauer an einigen japanischen Filmen des Japan Filmfest Hamburg zu schätzen gelernt hat: Sie kommen unprätentiös daher, sie werfen ihn nicht zu mit Effekthascherei, sie wollen nicht verblüffen, sie seifen ihn nicht ein, sie ersticken ihn nicht mit Wohlgefühl, sympathischer Ausstrahlung etc. pp. Von WOLF SENFF
Gesellschaft| Barbara Honigmanns: Chronik meiner Straße »Wenn wir sagen, dass wir in der Rue Edel wohnen, antwortet man uns meistens, ach ja, da haben wir am Anfang auch gewohnt.« So lautet der erste, beinahe programmatisch anmutende Satz in Barbara Honigmanns autobiografischer Skizze über jene Straße im Osten Straßburgs, in der sie seit ihrer Übersiedlung aus Ost-Berlin im Jahr 1984 lebt. Wieder einmal schreibt die 66-jährige Autorin, die einst als Dramaturgin und Regisseurin an so renommierten Theatern wie der Volksbühne und dem Deutschen Theater Berlin gearbeitet hat, ganz stark an ihrer eigenen bewegten Vita entlang. Von PETER MOHR
Film | Im TV: ›TATORT‹ Schwerelos (WDR), 3. Mai Wie machen sie das, sofort ist man drin und dabei handelt es sich doch lediglich um die üblichen routinemäßigen Anrufe, das Klingelgeräusch langweilt sonst nur, wie kriegen sie das gebacken. Ach und die Suche nach dem Fallschirm in der stillgelegten Grubenanlage, der Blick aus dieser Höhe macht schwindeln, so liebevoll sind sie um uns bemüht. Von WOLF SENFF
Gesellschaft | Dan Diner: Rituelle Distanz. Israels deutsche Frage Lange bevor die Bundesrepublik Deutschland und Israel 1965 diplomatische Beziehungen aufnahmen, öffnete das Luxemburger Abkommen von 1952 den Weg zu einer behutsamen Annäherung beider Staaten. Die Ereignisse sind längst ausführlich historisch beleuchtet worden, nicht wenige der Protagonisten haben ihre Erinnerungen veröffentlicht. Dan Diner, 1999-2014 Direktor der Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte in Leipzig, interessieren in ›Rituelle Distanz‹ allerdings gerade nicht die bekannten diplomatischen, politischen und wirtschaftlichen Aspekte. Von PETER BLASTENBREI
Gesellschaft | Jean Ziegler: Ändere die Welt! »Jedes System der Selbstinterpretation – jedes kulturelle System, jede Ideologie, jede Religion – verhüllt, verbirgt, lügt und enthüllt zugleich«. Stimmt. »Was am meisten verborgen wird, ist besonders wahr«. Besser kann man es nicht sagen. Von WOLF SENFF
Film | Im TV: ›TATORT‹ Das Muli (RBB), 22. März Jo – Johanna Michels – irrt desorientiert in der Stadt umher und ruft verzweifelt ihren Bruder Ronny an. Nina Rubin, neue Ermittlerfigur, verlässt die Disco und es kommt zu einem derben Akt in einem dunklen Gang. Nein, der Ehemann war’s nicht. Robert Karow, ebenfalls neue Ermittlerfigur, betrachtet nachdenklich eine Leiche am Ufer der Spree. Anschließend folgen wir der Tatortsicherung an einer blutverschmierten Badewanne. Von WOLF SENFF

