Digitales | Ubisoft: Valiant Hearts Ein verletzter Deutscher unter Trümmern. Der Franzose Emile überlegt nicht lange und befreit unter Einsatz seines Lebens den Versehrten. Kurz darauf, zurück in den gesichtslosen Reihen der Heere, trachten sie einander erneut ums Leben. Es herrscht Krieg bei ›Valiant Hearts: The Great War‹. Das Indie-Spiel der Entwickler von Ubisoft Montpellier kam bereits im Juni 2014 heraus, erzählt aber eine jederzeit relevante Geschichte. Sie handelt von Menschlichkeit in einer unmenschlichen Lage, von Wut, Traurigkeit und Stärke, von Liebe und Aufopferung. Ein wahres Happy End gibt es, wie wir wissen, nicht. Von FLORIAN RUSTEBERG und EVA HENTER-BESTING.
Textwerkstatt | Benjamin Brigant: 5 vor 12 Hach, ja, erster Schluck – immer schwer zu genießen. Scharf, sprittig, zersetzt die Zunge. Nicht lang schnacken! – Brennen im Rachen, in der Speiseröhre. Gesicht verzerren nicht vergessen. Bäh. Aufprall im Magen, bisschen Beben, kurzer Widerstand. Speichelreflex? – Ah, kommt schon. Besser spät als nie. Schnell schlucken! – Bleibt drin, klar doch, jawoll, geschafft, alles bestens, mein Guter! Leichte Wärmewelle, wie gewohnt. Schön. Doch noch genossen, irgendwie. Kurz mal die Augen geschlossen – Ruhe. Herz entspannt sich. Wunderbar.
Roman | Christoph Peters: Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln Hatte der Autor Christoph Peters die Absicht, einen Roman über eine aussterbende Berufsgattung zu schreiben? Oder gibt er der Agentur für Arbeit Tipps für Berufsinformation einmal anders? Jedenfalls wählt Peters in seinem neuen Roman ›Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln‹ – wie zuvor schon in ›Mitsukos Restaurant‹ (2009) – erneut ein kulturell etwas abseitiges Thema, den fast ein wenig marginal erscheinenden Beruf des japanischen Zen-Töpfers. Der Autor blickt dabei mit viel Humor auf diese alte fernöstliche Handwerkstradition, die sich ein deutscher Wandergeselle mit gewerkschaftlich erkämpften Rechten nicht freiwillig aussuchen würde. Was Peters uns in
Comic | Batman Anthologie Die bei Panini veröffentlichte ›Batman Anthologie‹ leuchtet den Werdegang des Dunklen Ritters von seinen Anfangstagen bis ins Jahr 2013 aus. CHRISTIAN NEUBERT hat sich nie wirklich mit Superheldencomics auseinandergesetzt, nutzt nun aber die Chance, den Vigilanten durch seine bisher 75-jährige Karriere zu begleiten.
Film | Im TV: Tatort – Freddy tanzt (01. Feb. 2015) Hikikomori, ja, Menschen, die sich völlig zurückziehen, den Kontakt außerhalb der Wohnung auf absolutes Minimum oder auf Null reduzieren, dann wird ihnen morgens Milch, auch Brötchen und Scheibe Käse von Restfreund oder Familie vor die Tür gestellt. Japan. Das ist schon ein merkwürdiges Haus, auf das Ballauf und Schenk schließlich ihre Ermittlungen konzentrieren. Katja Petersen im obersten Geschoss ist so ein Typ à la Hikikomori, hat aber für ihren Rückzug auch andere Gründe. Von WOLF SENFF
Film | Im TV: ›TATORT‹ Hydra (WDR), 11. Januar »Woll’n Sie mit der Türkin wieder vor den Neonazis rumwedeln, ja?« Der Umgang unter den Ermittlern ist direkt, auch Peter Faber nimmt kein Blatt vor den Mund, und man sollte außerdem wissen, dass Nora Dalay und Daniel Kossik seit der Abtreibung eh auseinander sind. Schwierig. Die Stimmung ist im Keller. Nun kommt mit dem Mord an Kai Fischer noch das brisante Neonazi-Thema ins Spiel. Von WOLF SENFF
Roman | Joyce Carol Oates: Die Verfluchten »Ich habe all diese hässlichen Wörter einfach hingeschrieben und bin dabei allmählich in Fahrt gekommen. Ein stiller Schreibrausch hat mich erfasst.“, ließ die amerikanische Schriftstellerin Joyce Carol Oates eine Figur in ihrem Roman Zombie (dt. 2000) erklären. Ob es beim Lesen des neuen Romans Die Verfluchten ebenfalls zu einem »rauschhaften« Erleben kommt, erklärt PETER MOHR
Jugendbuch | Andy Mulligan: Der zweite Kopf des Richard Westlake Teresa Toten: Der ungewöhnliche Held aus Zimmer 13B Sehr ungewöhnliche Helden treten in den neuen Jugendromanen von Andy Mulligan und Teresa Toten auf. Hintergrund ist in beiden Fällen ein seelisches Trauma. Während Mulligan seine Geschichte ins Fabelhafte überhöht, verweist Toten in die Metaphysik des Katholizismus. Ob Leserinnen und Leser das akzeptieren können, ist in beiden Fällen Glaubenssache. Von MAGALI HEISSLER
Menschen | Jack El-Hai: Der Nazi und der Psychiater Autorenglück ist, wenn sich eine heiße Story als Matrjoschka entpuppt, aus der während der Recherchen eine zweite, mindestens genauso heiße Story kullert. So ging es dem US-amerikanischen Journalisten Jack El-Hai bei den Vorarbeiten zu seinem Buch über Walter Freeman, ›The Lobotomist‹ (2005). Der Psychiater und Neurologe Freeman hatte der Lobotomie als Mittel gegen psychische und sonstige Störungen zur Popularität verholfen und sich nebenbei für von eigener Hand gestorbene Kollegen interessiert. Insbesondere für einen: Douglas Kelley, heute nur noch Fachkreisen geläufig, aber um die Mitte des letzten Jahrhunderts ein Star. El-Hai horchte
Film | Neu auf BluRay: Hände voller Blut (Anolis) Jason vs. Freddy; Alien vs. Predator; Batman vs. Superman! Viele Zuschauer lieben Filme mit schrägen Paarungen – und die unüberschaubaren Konsequenzen, die oft aus solchen Begegnungen entstehen. Was passiert nun, wenn die Mordserie Jack the Rippers und die Ideen des Psychologen Sigmund Freud kollidieren? Die Auswirkungen schildert der Zelluloidklassiker ›Hände voller Blut‹ (Hands of the Ripper, 1971) des legendären Hammer-Filmstudios auf indirekte Art. ANNIKA RISSE auf einer Zeitreise in die Blütezeit des Hammer-Horrors

