Roman | Javier Cercas : Outlaws Spätestens mit seinem Roman Anatomie eines Augenblicks, den die wichtigste spanische Tageszeitung El Pais 2009 zum Buch des Jahres kürte, hat der 52-jährige Javier Cercas auch außerhalb Spaniens den Durchbruch geschafft. Als »grandios« hatte der bekannte argentinische Autor Albert Manguel diesen, auch mit dem Premio Nacional de Narrativa ausgezeichneten Roman gerühmt, der um den gescheiterten Militärputsch des Jahres 1981 kreist. Jetzt ist sein neuer Roman Outlaws erschienen. Von PETER MOHR
TITEL-Autorinnen und Autoren stellen sich vor Mit Jorge Luis Borges teilt ANDREA WANNER die Vorstellung, »dass das Paradies eine Art Bibliothek sein werde« und hat sich vorsorglich – wer weiß, was kommt – ihr Paradies auf Erden eingerichtet: mit ihrer Familie, Freunden und Büchern. ANDREA WANNER ist Ressortleiterin für den Bereich Kinder- und Jugendbuch bei TITEL kulturmagazin. | Alle Beiträge von ANDEREA WANNER im TITEL kulturmagazin BARBARA WEGMANN, Kölnerin, Jahrgang 1954, verbrachte die Schulzeit in einem kleinen Dorf bei Hannover, zum Studium nach Göttingen, aber was? Mal dies, mal das, die Qual der Wahl groß, nach 3 Jahren das Aus.
Menschen | ›Unter Tieren‹ zum 80. Geburtstag von Elfriede Jelinek
»Wozu sage ich das alles? Ich habe keine Ahnung, doch ich ahne Schreckliches«, sagt der Affe in Elfriede Jelineks neuem Theaterstück ›Unter Tieren‹, das im Juni in Buchform erschienen ist. Am 16. August wurde das Stück (eine scharfzüngige Kapitalismuskritik) bei den Salzburger Festspielen von Regisseur Nicolas Stemann uraufgeführt. Wieder einmal provozierend, übertreibend, aber doch irgendwie den Nerv der Zeit treffend. Jelinek nimmt darin Bezug auf die Pleite des österreichischen Unternehmers René Benko und seiner Signa-Unternehmensgruppe. Von PETER MOHR
Roman | Angelika Klüssendorf: Trost
»Noch ist der Mond zu sehen, knöchern bleich und unerschütterlich, doch was weiß sie schon, was da oben los ist.« Mit diesem Satz leitet die 68-jährige Schriftstellerin Angelika Klüssendorf, die einmal von der Neuen Zürcher Zeitung als »deutsch-deutsche Grenzgängerin« bezeichnet wurde, ihren neuen Roman ein. Klüssendorf, die in der DDR aufgewachsen ist und mit FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher (1959-2014) verheiratet war, schreibt seit fast vierzig Jahren kontinuierlich auf hohem Niveau und fliegt dennoch unter dem Radar des aktuellen Literaturbetriebs. Von PETER MOHR
Roman | Svenja Leiber: Nelka
»Alles daran sehe ich noch heute vor mir. Nichts habe ich vergessen«, heißt es auf der ersten Seite des sechsten Romans der 50-jährigen in Hamburg geborenen Schriftstellerin Svenja Leiber. Auf zwei Zeitebenen hat die Autorin ihr erzählerisches Erinnerungswerk angelegt – in der Zeit des Zweiten Weltkriegs ab 1941 und fünfzig Jahre später, als sich die beiden Hauptfiguren wieder begegnen. Von PETER MOHR
Menschen | Zum Tod des großen ungarischen Schriftstellers Péter Nádas
»Ich las in jungen Jahren Jung und Freud und rutschte dann in eine Selbstanalyse hinein. Das dauerte etwa vier, fünf Jahre, von denen anderthalb aus nichts anderem bestanden als aus dieser Arbeit und dem Erdulden ihrer Ergebnisse. Das war am Rande des Wahnsinns«, hatte der ungarische Schriftsteller Péter Nádas in einem Interview mit dem Digitalmagazin ›Republik‹ aus der Schweiz erklärt. Nádas war ein Mann der Extreme und mit konventionellen Maßstäben kaum zu messen. Von PETER MOHR
Roman | Barbara Honigmann: Mischka
»Ortsnamen verbanden sich mit den Worten Gefängnis, Zuchthaus, Lager, Gulag, Einzelhaft, Folter, Verbannung und Zwangsarbeit in Sibirien, hinter dem Polarkreis. All das hörte ich und davon las ich, und all das hörte dann endlich auch die ganze Welt, und wer will jetzt sagen, was schlimmer war, Auschwitz oder Workuta, das Butyrka-Gefängnis oder das Zuchthaus Brandenburg?«, fragt die 77-jährige Barbara Honigmann in ihrem autobiografischen Band Mischka, in dem sich die Autorin auf behutsame Weise mit realen Figuren auseinander setzt, die bei ihr nachhaltigen Eindruck hinterließen. Von PETER MOHR
Menschen | Zum 80. Geburtstag von Rafik Schami erschien der Roman ›Das Mosaik der Frauen‹
»Ich erzähle nicht Orientalisch. Ich erzähle Rafik-Schamisch. Meinen Stil habe ich so aufgebaut. Ich konnte mit Prinzen und Prinzessinnen nichts anfangen, die dauernd in Ohnmacht fallen, wenn sie sich verlieben. Was soll das? Ich erzähle von Damaskus von heute, ich erzähle von Deutschland von heute in der Form der mündlichen Erzählkunst«, erklärte der Schriftsteller Suheil Fadel, der unter seinem Pseudonym Rafik Schami weltweit bekannt geworden ist – als begnadeter Erzähler, virtuoser Vortragskünstler, der den Kontakt zum Publikum liebt, aber auch als leidenschaftlicher Brückenbauer zwischen Orient und Abendland. »1982 ging ich das erste Mal auf Tournee. Bis Ende 2025 hielt ich 2820 Erzählabende. Auf meinen Tourneen reiste ich über 471 000 km. Ich umkreiste also erzählend elfmal die Erde«, so Schami, der am 13. Juli im Literaturhaus München zum letzten Mal auftritt. Von PETER MOHR
Roman | Andreas Schäfer: Letzter Akt
»Ich will mit dir zusammen sein, nicht von dir profitieren«, bekennt der männliche Protagonist Victor über seine nicht unkomplizierte Beziehung zur Schauspielerin Dora. Diese beiden Figuren stehen im Mittelpunkt des fünften Romans von Andreas Schäfer. Der 56-jährige Schriftsteller, der nach dem Abitur Germanistik und Religionswissenschaften in Frankfurt, Kassel und Berlin studierte, hatte zuletzt den Roman Die Schuhe meines Vaters (2022) vorgelegt, in dessen Mittelpunkt eine ambivalente Vaterfigur stand. Von PETER MOHR
Menschen | Vor 100 Jahren (19. Mai) wurde der Theaterregisseur Peter Zadek geboren
Eine Mischung aus Wehmut und Zorn klang aus Peter Zadeks Worten, als er in seinem autobiografischen Band ›Die heißen Jahre‹ konstatierte: »Die 70er Jahre in Deutschland waren ein einmaliger Höhepunkt, sowohl im großen als auch im kleinen Theater: Soviel Begabung auf einmal war schon fast zuviel. Aber ab den 80er Jahren ersetzte auch in Deutschland Geldgier die Kultur.« Dennoch steckte Peter Zadek, der 2005 zusammen mit Tom Stromberg eine Theaterproduktionsfirma mit Sitz im brandenburgischen Streckenthin gründete, bis ins hohe Alter noch voller Tatendrang. Von PETER MOHR

