Roman | Birgit Birnbacher: Ich an meiner Seite
Die Mehrdeutigkeit von schillernden Inszenierungen und unsteten Lebensentwürfen scheint schon im Titel durch. Doch mehr noch: mit Ich an meiner Seite stellt die österreichische Autorin Birgit Birnbacher das allgegenwärtige Streben nach Selbstoptimierung ironisch infrage. Denn nicht nur Facebook und Instagram verleiten zur künstlichen Überhöhung der eigenen Person. Birnbachers soziologisch angehauchte Milieustudie begibt sich in die Welt der Kleinkriminellen und ihrer Wiedereingliederung. Von INGEBORG JAISER
Kinderbuch | Nils Mohl: König der Kinder / Tänze der Untertanen
Im Doppelpack sind sie auf meinem Schreibtisch gelandet: zwei Mal Lyrik. Das Cover in grellem Mandarine für die Kleinen ab sechs, violett der Vorsatz; dunkles Gischtgrün auf der Außenseite für die Jugendlichen ab zwölf, innen ein gedämpftes Orange: Schön! ANDREA WANNER freut sich.
Kinderbuch | Malin Neumann: Waldwesen
Ein Kinderbuch, wie es heißt ab 5 Jahren: ok, dieses Kriterium erfülle ich locker, tauche ein in eine spannende Welt, die man, zugegeben, als 5+ nicht mehr so oft antrifft: Waldwesen, nicht etwa Waldtiere, nein, nein, Trolle, Wichtel und Co. Und sie alle beeindrucken auf 52 Seiten derart, dass man den nächsten Waldspaziergang sicher ganz neu erleben wird. Von BARBARA WEGMANN
Sachbuch | Sandra Freudenberg / Stefan Rosenboom: In den Bergen lebt die Freiheit
»Warum diese stille einfache Hütte mir werth und theuer ist und zwar werther als alle königlichen Schlösser mit ihrem Glanz und hohlen Prunk, brauche ich dem Theuren wohl kaum zu sagen…«, dies schrieb Ludwig II 1868 in einem Brief an Richard Wagner. Daran mag man schnell ermessen, wie viel dem fantasiereichen Märchenkönig, dem »menschenscheuen Träumer« Berge und Wanderungen, alpine Panoramen und luftige Höhen bedeutet haben, mehr als die Politik allemal. Von BARBARA WEGMANN
Kulturbuch | Heike Gfrereis: Hölderlin, Celan und die Sprachen der Poesie
Purpurne Wolken und eine Armee von Raben. Das neue Marbacher Magazin begleitet klug, spannend und aufschlussreich eine Ausstellung über Friedrich Hölderlin, auf den sich wohl fast alle deutschen Dichter irgendwie und irgendwann bezogen haben, vor allem Paul Celan. Von GEORG PATZER
Roman | Matthias Politycki: Das kann uns keiner nehmen
Der inzwischen 65-jährige Schriftsteller Matthias Politycki – bekannt geworden durch seinen Weiberroman (1997) und Ein Mann von vierzig Jahren (2000) – hat sich zuletzt vor allem als kosmopolitischer Welterkunder betätigt. 2005 war der auf Kuba angesiedelte Roman Der Herr der Hörner erschienen, acht Jahre später entführte er seine Leser in Samarkand, Samarkand nach Usbekistan. PETER MOHR hat Polytickis aktuelle Neuerscheinung gelesen.
Kinderbuch | Charlotte Habersack: Torkel. Ist Brokkoli giftig?
Jana und die neugierige Giraffe Torkel sind wieder da. Und wieder löchert Torkel seine kleine Freundin mit Fragen, dieses Mal rund ums Thema »Essen«. Von ANDREA WANNER
Jugendbuch | Elizabeth Lim: Ein Kleid aus Seide und Sternen
Es gibt Märchen, die so in ihren Bann ziehen, dass man die geheimnisvolle Welt gar nicht mehr verlassen möchte. Dazu gehört auch die Geschichte der Schneiderin Maia Tamarin, findet ANDREA WANNER
Jugendbuch | Robert Habeck und Andrea Paluch: Zwei Wege in den Sommer
Die letzten Sommerferien vor dem Abitur. Die gefühlt grenzenlose Freiheit. Max, Ole und Svenja starten in den Sommer – auf unterschiedlichen Wegen und mit unterschiedlichen Zielen. Von ANDREA WANNER
Roman | Ross Thomas: Der Fall in Singapur
Ross Thomas und der Berliner Alexander Verlag – das passt seit anderthalb Jahrzehnten. Von den insgesamt 25 Romanen, die der amerikanische Kultautor zwischen 1966 und 1994 schrieb, sind unter der Regie von Alexander Wewerka in dessen kleinem Berliner Verlagshaus inzwischen 20 erschienen. In wiedererkennbarer, schöner Aufmachung kommt die Reihe daher. Und die meisten Einzelbände bringen den kompletten Thomas-Text zum ersten Mal vollständig auf Deutsch. Nun also Der Fall in Singapur, Thomas' einziger Mafiaroman, wie der Verlag betont. Aber ob Mafia- oder Wirtschaftskrimi, Polit- oder Detektivthriller – der 1995 in Santa Monica verstorbene Ross Thomas schrieb immer auf einem Niveau, von dem 90 Prozent seiner Kolleginnen und Kollegen auch heute nur träumen können. Von DIETMAR JACOBSEN

