Comic | Mark Long/Jim Demonakos/Nate Powell: Das Schweigen unserer Freunde Étienne Davodeau: Die Ignoranten Ein halbes Jahr hat das neue Ehapa-Imprint ›Egmont Graphic Novel‹ nun auf dem Buckel. Das Sub-Label hat sich einem Comic-Segment verschrieben, das sich vorwiegend an eine erwachsene Leserschaft richtet. Zwei der ersten Graphic Novels, die in das Verlagsprogramm aufgenommen wurden, sind die Werke ›Das Schweigen unserer Freunde‹ und ›Die Ignoranten‹. Von CHRISTIAN NEUBERT
Kulturbuch / Film | Georg Seeßlen: Lars von Trier goes Porno / Lars von Trier: Nymphomaniac II ›Nymphomaniac‹ ist ein viereinhalbstündiger Film des dänischen Regisseurs Lars von Trier, der die Kinos in zwei annähernd gleich langen Teilen erreicht, sein Thema ist eine Entwicklung von Sexualität. Im Februar schon lief der erste Teil in Deutschland an, knapp zweistündig. Kaum jemand hat es bemerkt, dieser Tage folgt ›Nymphomaniac II‹, gut zweistündig, zur »Lebensbeichte einer Nymphomanin« aufgehübscht beim Deutschlandfunk. Er wäre – ein hardcore-Porno ist ehrlicher – kaum der Rede wert, wenn nicht der kluge Kulturkritiker Georg Seeßlen passend zum Filmstart einen Essay
Musik | Toms Plattencheck »Es war entsetzlich kalt; es schneite, und der Abend dunkelte bereits; es war der letzte Abend im Jahre, Silvesterabend. In dieser Kälte und in dieser Finsternis ging auf der Straße ein kleines, armes Mädchen mit bloßem Kopfe und nackten Füßen.« So beginnt die märchenhafte Kurzerzählung ›Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern‹ von Hans-Christian Andersen. Und wo bleibt jetzt die Musik? Von TOM ASAM
Comic | Matt Groening: Liebe ist die Hölle Bei ›Reprodukt‹ erscheint ›Life in Hell‹, die legendäre Comicstripreihe des Simpsons-Schöpfers Matt Groening, endlich wieder auf Deutsch – in leicht verdauliche Portionen aufgeteilt. Bei BORIS KUNZ hat der erste Band großen Appetit geweckt.
Roman | Lena Gorelik: Die Listensammlerin Ein totgeschwiegener Onkel, eine sterbende Großmutter und eine schwerkranke Tochter lassen die Nerven blank liegen. Und dennoch vermag es Die Listensammlerin – und natürlich Lena Gorelik –, mit Verve und Einfallsreichtum die Bruchstücke einer ungewöhnlichen Familienchronik zu schreiben. Von INGEBORG JAISER
Film | TV: TATORT – Auf ewig Dein (WDR), 2. Februar Da schickt sie, schwanger, den Papa in spe nach Hause, und als er die Tür hinter sich schließt, bricht sie heulend zusammen. Schnitt, nächster Tag: Nora Dalay (Aylin Tezel) und Daniel Kossik (Stefan Konarske) sitzen nebeneinander im Dienstwagen. Hat jemand behauptet, dass TATORTe Krimis seien? Man darf das nicht missverstehen. Wenn sie gut sind, führen sie uns in künstlerischer Dichte vor, wie die Dinge sich abspielen im Leben, im Alltag. Fünfundvierzig Filmminuten später die Versöhnungsszene – es pendelt hin und zurück, für Rührseligkeit wird keine Zeit verplempert. Von WOLF
Menschen | Ingeborg Gleichauf: Ingeborg Bachmann und Max Frisch Sie gehören zu den größten Literaten des 20. Jahrhunderts. Sie teilen ihre Leidenschaft, ihre Gedanken, später auch das Bett. In Ingeborg Bachmann und Max Frisch. Eine Liebe zwischen Intimität und Leidenschaft wagt sich Ingeborg Gleichauf an die wechselvolle Geschichte des Schriftstellerpaares. Von EVA HENTER-BESTING
Jugendbuch | Sarah N. Harvey: Arthur oder Wie ich lernte den T-Bird zu fahren Der siebzehnjährige Royce hat eine besondere Aufgabe übernommen: Gegen Bezahlung soll er sich um seinen Großvater kümmern. Aber Arthur ist ebenso exzentrisch wie unausstehlich. ANDREA WANNER beobachtete eine zaghafte Annäherung zwischen den beiden.
Kulturbuch | Stephen Greenblatt: Die Wende. Wie die Renaissance begann Über die Renaissance ist viel geschrieben worden, aber dieses ist ein Buch, in dem ein Autor einem anderen nachspürt und diesem dann eine sagenhafte Verantwortung in die Schuhe schiebt. Ein Werk soll Ursprung eines neuen Zeitalters sein, wegbereitend für Generationen, bedeutungsschwangere Prophezeiung der intellektuellen Elite. Stephen Greenblatt forschte in Die Wende. Wie die Renaissance begann über eine fast vergessene philosophische Strömung. VIOLA STOCKER ließ sich auf eine sagenhafte Reise ins Herz einer bibliophilen Gesellschaft ein, der es gelang, Worte vor dem Vergessen zu bewahren, die Jahrzehnte später Europas ethisches Grundkonstrukt
Roman | Uwe Timm: Vogelweide Würde man Uwe Timms Helden in seinem neuen Roman Vogelweide einer bestimmten Großwetterlage aussetzen, so doch eher einer, die durch einen fallenden Barometerstand angezeigt wird. Ob sich Eschenbach – so heißt der nicht nur vom Wetter Geplagte – nun dem Tief Bea, Selma oder Anna aussetzt, immer scheint er auch einem femininen Gegenwind zu trotzen. Die Geschichte über einen Steh-auf-Mann der besonderen Art hat HUBERT HOLZMANN gelesen.

