Literaturkalender 2026 Die Wochen bis zum Jahreswechsel sind gezählt. Sollte man nicht jetzt schon Termine übertragen, Geburtstage markieren, Pläne schmieden für das noch jungfräuliche 2026? Ganz beschwingt mit literarischer Begleitung und Inspiration für neuen Lesegenuss – Wiederentdeckungen inklusive? Aus der Fülle jährlich erscheinender Literaturkalender stellt INGEBORG JAISER einige herausragende Exemplare vor.
Bühne | Show: Flying Lights
Sterne, Feuer, Metropolis. Schon der Auftakt verheißt Großes: LED-Lichter auf einem Screen eröffnen ein Universum aus Planeten, Galaxien und Weltgeschichte. Plötzlich taucht Metropolis auf – und Berlin als Ikone der illuminierten Kunstformen? ANNA NOAH schaut nicht einfach nur eine Show, sondern taucht ein, in eine Welt aus illuminierten Visionen.
TITEL-Textfeld | Wolf Senff: Eldin
›Neuzeit‹. Er könnte sich aufregen. Welch eingebildetes Pack. Oder ›Moderne‹. So nannten sie sich auch. Er wußte das von Gramner. Nicht daß es ihn sonderlich interessiert hätte, aber es war immer gut, jemanden wie Gramner an Bord zu haben, zumindest konnte es nicht schaden, denn Walfang war harte Arbeit, die Mannschaft war unterhalten.
Kinderbuch | Schneller, stärker, schöner
Bei einem Spaziergang durch die Stadt kommt es zu einem Wettstreit zwischen zwei Freund:innen. Klar geht es mal wieder darum, Superlative zu finden, ein beliebtes Thema in unserer wettbewerbsorientierten Zeit. ANDREA WANNER freut sich über »das beste Tier der Welt«.
Roman | Kristine Bilkau: Halbinsel
Die Hamburger Schriftstellerin Kristine Bilkau hat für ihren vierten Roman Halbinsel den Preis der Leipziger Buchmesse 2025 erhalten. Doch auch ohne diese Auszeichnung hätte diese leise, lakonische Mutter-Tochter-Geschichte gewiss eine interessierte Leserschaft gewonnen, allein aufgrund der sensiblen Zwischentöne in einer allgegenwärtigen Thematik. Von INGEBORG JAISER
Kinderbuch | Anna Maria Praßler: Keine Party ist auch keine Lösung
Jagodas 10. Geburtstag steht vor der Tür. Und sie hat eine Riesendummheit begangen: Sie hat ihre Klassenkameradin Mia zu ihrem Fest eingeladen. Das Problem: es gibt gar keine Party. Und jetzt? Von ANDREA WANNER
Digitalspielkultur | Interview mit Lukas Boch und Anna Klara Falke
Auf dieses Gespräch mit den beiden Spielforschern hat sich RUDOLF INDERST schon lange gefreut. Schließlich zählte das Buch ›Von bierbrauenden Mönchen und kriegerischen Nonnen‹ zu seiner Lieblingslektüre.
Roman | Max Annas: Tanz im Dunkel
Max Annas‘ neuer, sein elfter Roman spielt in seiner Geburtsstadt Köln. Angeregt wurde das, was er über eine kleine Gruppe Jugendlicher und einen das Recht in die eigenen Hände nehmenden Mann, der zum Mörder wird, weil man es im offiziellen Nachkriegsdeutschland mit der Bestrafung der Täter aus den Nazijahren nicht so ernst nimmt, von einer alten Erzählung seiner Mutter. Darin war die Rede davon gewesen, dass ein am Heiligabend 1959 an der Mauer einer Kölner Synagoge aufgetauchtes Hakenkreuz die erste Schmiererei dieser Art seit dem Kriegsende gewesen sei. Lange musste Annas sicher nicht recherchieren, um diese Geschichte als Legende zu entlarven. Nun hat er sie eingebaut in einen Thriller, in dem es um die Nichtbewältigung der deutschen Vergangenheit, neonazistische Umtriebe und latenten Antisemitismus geht und der damit durchaus auch eine Menge mit unserer Gegenwart zu tun hat. Von DIETMAR JACOBSEN
Jugendbuch | Petra Soukupová: Klub der seltsamen Kinder
Vier Kinder unterschiedlichen Alters treffen zufällig aufeinander. Alle sind sie Außenseiter – weil sie irgendwie anders sind. Das macht sie einander nicht auf Anhieb sympathisch, verbindet aber doch irgendwie. Und als Peter abhauen will, sind die anderen mit von der Partie. Eine ungewöhnliche Zusammensetzung, findet ANDREA WANNER.
Sachbuch | Wolfram Eilenberger: Geister der Gegenwart
Der Philosoph Wolfram Eilenberger hat den dritten Band seiner Trilogie, die uns die Philosophie des 20 Jahrhunderts nahebringt, veröffentlicht: Nach ›Zeit der Zauberer‹ (2018) und ›Feuer der Freiheit‹ (2020) liegt nun der Band ›Geister der Gegenwart – Die letzten Jahre der Philosophie und der Beginn einer neuen Aufklärung‹ vor. Das Projekt einer neuen Aufklärung verweist auf eine zentrale Feststellung Kants, dass wir in keinem »aufgeklärten Zeitalter« leben, sondern in einem »Zeitalter der Aufklärung« mit offenem Ausgang. Von DIETER KALTWASSER

