Roman | Stewart O’Nan: Henry persönlich Fast ein ganzes Jahr – vom Valentinstag bis zu Silvester – umspannt der neue Roman von Stewart O’Nan. Ein weitgehend unspektakuläres Jahr für Henry persönlich, auch wenn der langsame Verfall dem eigenen Körper, der Familie, dem Alltag zusetzt. Wie sich der Mittsiebziger trotzdem gegen das Altern stemmt und seine kleinen, ritualisierten Freuden bewahrt, beruhigt und sorgt für Zuversicht. Von INGEBORG JAISER
Roman | Jan Brandt: Ein Haus auf dem Land / Eine Wohnung in der Stadt Eine drängende soziale Frage unserer Zeit lautet: wo können wir, wie wollen wir leben? Angesichts der existenziellen Bedeutung des Wohnens hat der Schriftsteller Jan Brandt erneut seinen großen geplanten Auswandererroman vertagt und gleich zwei Bände in einem dazwischengeschoben. Ein Haus auf dem Land / Eine Wohnung in der Stadt birgt das ganze Ausmaß an Zerrissenheit zwischen einem entgleisten Immobilienmarkt und der eigenen Identitätssuche. Von INGEBORG JAISER
Kulturbuch | Doris Dörrie: Leben, schreiben, atmen Schreiben kann ein hochkonzentrierter und selbstvergessener Zustand sein, wenn man es schafft, die innere Zensur zu überlisten. Doris Dörrie scheint eine Meisterin darin zu sein. Ihr neuestes Buch ›Leben, schreiben, atmen‹ klingt wie ein Mantra und verheißt doch eine spannende Schule der Wahrnehmung. Von INGEBORG JAISER
Kalender | Literaturkalender 2020 »Es schnurrt mein Tagebuch am Bratenwender: nichts schreibt sich leichter voll als ein Kalender«, reimte bereits Goethe. Man ahnt: Dem beständigen Lauf der Zeit lässt sich auch humorvoll und mit Wortwitz begegnen. Mit Sicherheit erhöht ein Literaturkalender schon jetzt die Vorfreude aufs kommende Jahr. INGEBORG JAISER hat aus der Fülle des Angebots einige bemerkenswerte Exemplare ausgewählt.
Roman | Siri Hustvedt: Damals Als geschicktes Vexierspiel, als schillerndes Kaleidoskop von Erinnerungen und Zuweisungen kommt Siri Hustvedts siebter Roman daher. Doch was geschah Damals wirklich? Helfen alte Aufzeichnungen und wiedergefundene Notizhefte, um das Geschehen zu erhellen? Von INGEBORG JAISER
Roman | Ulrich Woelk: Der Sommer meiner Mutter In seinem neuesten Roman zeichnet der Autor Ulrich Woelk ein berührendes und rückwirkend leicht melancholisch anmutendes Zeitpanorama der 1960er Jahre. Der Sommer meiner Mutter enthüllt eine Stimmung zwischen Bigotterie und dem aufkeimenden Wunsch nach Selbstverwirklichung, zwischen technischem Fortschrittsglauben und menschlichem Unvermögen. Eine Besprechung von INGEBORG JAISER
Roman | Leïla Slimani: All das zu verlieren Die Pariser Journalistin Adèle ist Mitte dreißig und kultiviert ihre Blässe und Ausgezehrtheit als Ausdruck der Selbstdarstellung – doch sie droht, an ihren verborgenen Obsessionen zu zerbrechen. Im Hintergrund lauert stets das Wissen um die Brüchigkeit ihrer Existenz, die vernichtende Angst, All das zu verlieren: Ehe und Mutterschaft, Beruf und Lebensstil. Leïla Slimani entwirft ein zeitgenössisches Sittenbild mit all seinen Rissen und Verwerfungen. Von INGEBORG JAISER
Literatur | 43. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt Man kann ihn per Livestream verfolgen, chipsknabbernd am TV mitfiebern oder sich einen begehrten Sitzplatz am Austragungsort im ORF-Theater erkämpfen. Beim Bachmannwettbewerb (in diesem Jahr vom 26. bis 30. Juni 2019) treten an: vierzehn lesende Autoren aus drei Ländern, sieben diskutierende Juroren und zwei charmante Moderatoren. Auf dem Spiel stehen fünf Preise in der Gesamthöhe von über 60.000 Euro, nebst einem Stadtschreiberstipendium – und die Hoffnung auf den Startschuss für die ganz große Karriere. INGEBORG JAISER ist an den Ort des Geschehens gepilgert.
Roman | Kenah Cusanit: Babel Wer im Berliner Pergamonmuseum schon einmal staunend vor dem babylonischen Ischtar-Tor stand, mag sich gefragt haben, wie diese Unmengen an Tonziegeln eigentlich nach Deutschland kamen. So auch die Autorin Kenah Cusanit. Nach Jahren der Recherchen und Quellenstudien ist nun ihr Debüt Babel als ein faszinierender, zwischen Fakten und Fiktion mäandernder Roman erschienen. Von INGEBORG JAISER
Roman | Daniela Krien: Die Liebe im Ernstfall Sie sind allesamt um die Vierzig, haben eine gute Ausbildung und Ansprüche an das Leben. Und dennoch scheitert Die Liebe im Ernstfall an Verletzungen, Verirrungen, Dissonanzen. Daniela Krien entwirft in ihrem neuen Roman fünf Frauenschicksale und Lebensentwürfe als exemplarische soziologische Versuchsanordnung. Und das in einer ungeschönten, klaren Sprache, deren Ungeheuerlichkeit oft zum mehrmaligen Lesen zwingt. Von INGEBORG JAISER

