Comic | Roland Burkart: Wirbelsturm Zu den dramatischsten Themen, die man in einem autobiographischen Kunstwerk verarbeiten kann, gehören Brüche, die das Leben fundamental ändern, einschränken, und zwar ohne, dass man etwas dagegen tun könnte. Und noch immer erschüttern solche Geschichten das Publikum, das sich vorstellt, sich in den Protagonisten einzufühlen und seine unerfüllbaren Wünsche zu spüren. Robert Burkart hat ein solches Kunstwerk in Comicform geschaffen. In ›Wirbelsturm‹ verarbeitet der Schweizer Illustrator seine Lähmung Tetraplegie und wie er lernt, damit umzugehen. Leider fehlt bei dem hohen Tempo des Graphic Novels nahezu jede Dramatik oder psychologische Tiefe. PHILIP J. DINGELDEY hat sich
Comic | Daniel Clowes: Patience Mit literarischen Werken zu selbsterfüllenden Prophezeiungen kann man ganze Bibliotheken füllen. Dennoch setzt der amerikanische Zeichner Daniel Clowes noch einen drauf: mit seinem schrillen Graphic Novel ›Patience‹. Jedoch wiederholt er nicht einfach diesen Topos der Weltliteratur, sondern setzt einen eigenen Akzent, mit einer am Ende überraschenden Wende. Damit beinhaltet das Werk so gut wie alles, was das Comic-Herz begehrt: Action, Science-Fiction, Liebe, Horror, Spannung, diverse menschliche Abgründe und die Wiederaufnahme antiker Mythen. PHILIP J. DINGELDEY hat sich Clowes irren Trip auf der Suche nach den Spuren der ewigen Liebe angesehen.
Comic | Guy Delisle: Geisel 111 Tage war Christophe André eine Geisel. Als Mitarbeiter der Nichtregierungsorganisation ›Ärzte ohne Grenzen‹ wurde er 1997 im Nordkaukasus von tschetschenischen Separatisten entführt und für eine Erpressung gefangen gehalten, bis ihm aus purem Glück die Flucht gelang. Der Comicdokumentarist Guy Delisle hat den Mann ein paar Jahre später kennengelernt und eine ausführliche Biographie über Andrés Zeit in Gefangenschaft kreiert – in Comicform. Sie heißt ›Geisel‹. PHILIP J. DINGELDEY hat sich das ergreifende und bedrückende Buch angesehen.
Comic | Liv Strömquist: Der Ursprung der Welt Selten sind Menschen beides: praktizierende Sozialwissenschaftler und aktive Comic-Künstler. Doch die schwedische Autorin Liv Strömquist ist genau dies, was sie jetzt in einem kritischen, kompromisslosen, auf seine eigene Art kunstvollen und durchaus witzigen Sachcomic bewiesen hat.
Comic | Tom Tirabosco: Wunderland Was macht ein Comiczeichner, dem die Ideen für einen neuen Graphic Novel fehlen? Richtig: Er zeichnet seine Autobiographie, am besten seine Kindheit. Zumindest scheint das bei dem schweizerisch-italienischen Künstler Tom Tirabosco der Fall zu sein, der seine relativ banale Kindheit in dem Comic ›Wunderland‹ verfasst hat, sie aber dafür mit tollen Zeichnungen und interessanten Stilmitteln präsentiert. PHILIP J. DINGELDEY hat sich den Comic angeschaut.
Comic | Flash-Anthologie. 75 Jahre Abenteuer im Zeitraffer Passend zum neuen Kinofilm ›Justice League‹, einem Bund der DC-Superhelden, hat der Panini-Verlag eine dicke Anthologie zu einem der an der Liga beteiligten Helden herausgebracht – nämlich zu Flash. PHILIP J. DINGELDEY hat sich den Band angesehen – und zwar nicht im Zeitraffer!
Comic | Matthias Lehmann (Texte und Zeichnungen): Die Favoritin In hoher Frequenz ist inzwischen auch die Kunstszene dazu gezwungen, laut »Gender« zu rufen und mit einem kruden Konstruktivismus respektive der ›political correctness‹ dem Publikum auf die Nerven zu gehen. Umso erfreulicher ist es, wenn eines der Werke, die sich mit dem Geschlecht und seinen sozialen Konstruktionen beschäftigen, einmal unaufgeregt, vielschichtig und mit viel Phantasie der Thematik annimmt und unter den Genderisten vor allem deswegen positiv hervorsticht, indem auch andere soziale Konfliktlinien behandelt werden. Die Rede ist von Matthias Lehmanns neuem Comic ›Die Favoritin‹, der von einer isolierten Kindheit in der
Comic | B.Azzarello/ M.Casali (Texte); G.Camuncoli/ D.Latorre/ G.Parel/ J.Lee (Zeichnungen): Batman: Europa Es ist eine Binsenweisheit unter den Lesern von Batman-Comics, dass dieser Superheld zwar willens ist, seine Gegner oder Informanten zu Brei zu schlagen und zu foltern, aber dass er die Grenze beim Töten zieht, und diese Grenze ist freilich moralisch und menschenrechtsphilosophisch noch problematischer, als das ansonsten sowohl innerhalb als auch außerhalb des Gesetzes agierenden Dunklen Ritters. Von PHILIP J. DINGELDEY
Comic | Todd McFarlane / Brian Holguin / Clayton Crain: Savior Schon in seinen Superheldencomics spielt der Texter Todd McFarlane mit religiös-mystischen Motiven, weswegen es auch nicht verwundert, dass er diesem Topos auch in anderen Werken treu bleibt. Zusammen mit dem Comictexter Brian Holguin und dem Zeichner Clayton Crain hat er ergo das Jesus-Motiv für die USA im 21. Jahrhundert neu aufbereitet. PHILIP J. DINGELDEY hat sich ›Savior‹ angesehen.
Comic | Igort: Berichte aus Japan Schon zahlreiche westliche Künstler und Intellektuelle waren in den vergangenen Jahrhunderten von der asiatisch-pazifischen Region fasziniert und haben sich auf Reisen oder längeren Auslandsaufenthalten in die Kultur und Geschichte dortiger Länder verliebt. Während ab und an dabei auch Kunstwerke oder Reiseberichte herauskommen, die man als horizonterweiternd klassifizieren konnte, blieben viele leider doch eher kitschig, nostalgisch und manchmal auch klischeehaft. In die Reihe zu letzteren gesellt sich jetzt die autobiographische Comic-Dokumentation ›Berichte aus Japan. [Eine Reise ins Reich der Zeichen]‹ des italienischen Comic-Zeichners und Texters Igort. Ein Teilverriss von PHILIP J. DINGELDEY

