Roman | Michael Chabon: Moonglow Er ist überbordend vor purer Fabulierfreude, kuriosen Details und abwegigen Erzählsträngen – und kommt doch als Familiengeschichte oder gar Autobiographie daher: ›Moonglow‹, der neueste Roman des Pulitzerpreisträgers Michael Chabon. Doch Vorsicht, dieses Werk ist leicht entflammbar! Von INGEBORG JAISER
Roman | Peter Stamm: Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt »Schreib eine Geschichte über mich«, lautete der zentrale Satz in Peter Stamms 1998 erschienenem und später verfilmtem Debütroman ›Agnes‹ (1998). Seitdem hat sich der 55-jährige Schweizer Autor immer wieder auf experimentelle Grenzgänge begeben und ein reizvolles Spiel mit der Meta-Literatur inszeniert. Spätestens mit seinem mehr als 100 000mal verkauften Roman ›An einem Tag wie diesem‹ (2006) hat sich Stamm in der ersten Reihe der deutschsprachigen Gegenwartsautoren etabliert. PETER MOHR hat seinen neuen Roman ›Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt‹ gelesen.
Roman | Les Edgerton: Der Vergewaltiger Truman Ferris Pinter sitzt in der Todeszelle. Der 44-Jährige hat eine junge Frau in seinem Heimatdorf vergewaltigt. Dass er sie danach ermordet haben soll, bestreitet er allerdings. Nun, da die letzten 12 Stunden seines Lebens angebrochen sind, legt er Rechenschaft ab – vor uns, den Lesern des kleinen Romans von Les Edgerton, die er auch hin und wieder als Ansprechpartner benutzt. Ein gemeiner Trick, denn so werden wir, ob wir es wollen oder nicht, zu Vertrauten eines Monsters. Von DIETMAR JACOBSEN
Roman | Norbert Gstrein: Die kommenden Jahre Der 57-jährige österreichische Schriftsteller Norbert Gstrein ist bekannt dafür, dass er keinen großen Bogen um brisante Themen macht. Nach dem Balkankrieg (›Das Handwerk des Tötens‹) und einer gegen Suhrkamp-Chefin Ulla Berkéwicz gerichteten Roman-Persiflage (›Die ganze Wahrheit‹) hatte er sich zuletzt in seinem Roman ›In der freien Welt‹ (2016) mit dem Nahostkonflikt auseinander gesetzt. Jetzt ist Norbert Gstreins neuer Roman ›Die kommenden Jahre‹ erschienen. Von PETER MOHR
Roman | António Lobo Antunes: Ich gehe wie ein Haus in Flammen António Lobo Antunes ist Mediziner, ein Psychiater, der seine Patienten zu durchschauen sucht. Persönliche Schicksale erklären sich oft durch die Geschichte einer Gesellschaft. Was der Arzt diagnostiziert, verarbeitet der Autor zu verstörenden und zersetzenden Historiengemälden. In ›Ich gehe wie ein Haus in Flammen‹ begegnet die hoffnungslose Sprachlosigkeit einer ganzen Nation der packenden Geschichte von Einzelnen, die immer wieder nur scheitern können. VIOLA STOCKER darf einer Sitzung beiwohnen.
Roman | Deborah Levy: Heiße Milch Um Fragen der Herkunft und Identität, um Verwandtschaft und Fürsorge kreist Deborah Levys neuer Roman ›Heiße Milch‹. Er ist gleichermaßen Psychogramm, Familienaufstellung und moderne griechische Tragödie – auch wenn Köpfe nur symbolisch rollen und Medusenbisse langsam verblassen. Von INGEBORG JAISER
Roman | Volker Heise: Außer Kontrolle Volker Heise (Jahrgang 1961) hat bisher als Dramaturg, Regisseur und Produzent für Fernsehen und Kino gearbeitet. Eines seiner mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Filmprojekte hieß ›24 h Berlin‹ (2009). Mit Hilfe von mehr als 70 Regisseuren dokumentierte Heise damals einen Tag im Leben der deutschen Metropole. Als Romanautor debütierte der 56-Jährige nun mit ›Außer Kontrolle‹, einem die quirlige Atmosphäre der Großstadt Berlin raffiniert einfangenden Buch, das ein halbes Dutzend Menschen auf ihrer immer verzweifelter werdenden Jagd nach dem Glück begleitet. Bis zum bitteren Ende all ihrer Illusionen. Ein Debüt, wie man es nicht oft zu
Roman | Robert Hültner: Lazare und der tote Mann am Strand Robert Hültner ist bei den Lesern in Deutschland vor allem mit seiner siebenbändigen Reihe um den Münchner Inspektor Paul Kajetan (1995-2013) bekannt geworden. Die Romane spielen zwischen den beiden Weltkriegen und verbinden spannende Kriminalfälle mit genau recherchierten historischen Settings. Von DIETMAR JACOBSEN
Roman | Wilhelm Genazino: Kein Geld, keine Uhr, keine Mütze Wilhelm Genazino, der am 22.01.2018 seinen 75. Geburtstag feierte, spricht im Rückblick über seine Schriftstellerlaufbahn von »einem konventionellen, langsamen bürgerlichen Aufstieg«. 2001 hatte Marcel Reich-Ranicki im Literarischen Quartett des ZDF die Werke des gebürtigen Mannheimes hochgelobt, drei Jahre später gab es den öffentlichen Ritterschlag durch die Verleihung des Georg-Büchner-Preises.Von PETER MOHR
Roman | Sophie Divry: Als der Teufel aus dem Badezimmer kam ›Als der Teufel aus dem Badezimmer kam‹ könnte für den ungewöhnlichsten Romantitel des Jahres nominiert werden. Preiswürdig und herausragend ist die Buchgestaltung ebenso. Denn in Sophie Divrys tragikomischem Prekariats-Roman kämpft eine arbeitslose Journalistin – ganz arme Poetin! – mit kreativen Methoden gegen Hunger, Langeweile und Verzweiflung an. Von INGEBORG JAISER

