Kinderbuch | Marco Viale: Irma hebt ab
Hexen? Wer denkt da nicht spontan an eine bucklige Alte mit krummer Nase, Warze und schwarzem Hut, die auf einem Besen reitet. Und genau dieses Image hat Irma so satt. Verständlich, findet ANDREA WANNER.
Hexen? Wer denkt da nicht spontan an eine bucklige Alte mit krummer Nase, Warze und schwarzem Hut, die auf einem Besen reitet. Und genau dieses Image hat Irma so satt. Verständlich, findet ANDREA WANNER.
Reicht das Ingeborg-Bachmann-Zitat »Zwei Menschen sind in mir«, das für den Titel dieser umfangreichen neuen Biographie Pate stand, auch nur annähernd aus, um die existentielle Zerrissenheit und Unbehaustheit der 1973 unter tragischen Umständen verstorbenen Schriftstellerin zu beschreiben? Die profunde Bachmann-Kennerin Andrea Stoll hat lange unveröffentlichtes Quellenmaterial gesichtet und mit zugleich frischem, wie kritischem Blick ausgelotet. Von INGEBORG JAISER
Es gibt Bücher, die erzählen, und es gibt solche, die sich entziehen. ›Manolia‹ gehört entschieden zur zweiten Art. Schon die ersten Seiten wirken wie ein vorsichtiges Abtasten der Welt, nicht wie ihr Zugriff. Man betritt keinen klar umrissenen Raum, sondern eine Stimmung — eine leise Verschiebung im Gefüge der Wahrnehmung. Von ARON-THORBEN ZAGRAY
Ein kleines Stück Stoff unterscheidet die sechzehnjährige Asya von anderen Mädchen in Oslo. Sie trägt Hijab, jene Kopfbedeckung, die von vielen muslimischen Frauen als Zeichen der Bescheidenheit und des Glaubens getragen wird. Das macht ihr Leben nicht leichter. Von ANDREA WANNER
Ein illustres Kurbad, prominente Persönlichkeiten und eine wissenschaftliche Debatte, die vollkommen aus dem Ruder läuft: Daniel Mellem präsentiert in seinem zweiten Roman ›Einstein im Bade‹ geschichtsträchtige, jedoch fiktionalisierte Begebenheiten vor einer Kulisse, die Genesung und Erholung nur vermeintlich suggeriert. Von INGEBORG JAISER
Als siebenjähriger Kinderstar hat Polly Tremaine die Hauptrolle in einem 1990er-Jahre-Horrorfilm gespielt. Das kleine Mädchen in dem gelben Kleid besaß darin die unheimliche Fähigkeit, den Menschen die Art ihres Todes voraussagen zu können. Als rund um den Film tatsächlich acht Menschen auf mysteriöse Weise ums Leben kamen und der Film sich schnell den Ruf erwarb, den Tod anzuziehen wie ein Magnet Eisenspäne, beendete Pollys Familie ihre Filmkarriere. Man zog von Kalifornien nach England um, wo Polly später unter dem Namen Laura Warren eine bekannte Filmjournalistin wurde. Doch als aus dem Skandalfilm The Guesthouse 30 Jahre später eine Serie gemacht werden soll, schickt ihr Boss ausgerechnet Laura nach Los Angeles, um über das Projekt zu berichten. Und das Grauen kehrt zurück. Von DIETMAR JACOBSEN
Eine Fahrt durch die nächtliche Stadt. Vier Freunde sind unterwegs, raus aus dem Lichtermeer der Metropole, dorthin, wo man die Sterne wirklich sehen kann. Ein guter Plan, meint auch ANDREA WANNER – zumindest in der Theorie.
Fräulein Renée ist siebzehn, Erbin eines beträchtlichen Vermögens und getrieben von einem fast rücksichtslosen Tatendrang. Dass sie unsterblich in ein Mädchen verliebt ist, passt ebenso wenig in das starre Korsett ihrer Zeit wie ihr Wunsch nach einem persönlichen Chronisten, der ihr Leben für die Nachwelt konserviert. Eine Ausgangslage mit Zündstoff, findet ANDREA WANNER
Um es gleich vorwegzunehmen: dieser Roman ist anstrengend, die Figuren stecken voller Klischees und sind paradigmatische Antihelden, und doch ist Dana von Suffrins Toxibaby eine der aufregendsten Neuerscheinungen dieses Frühjahrs. Von PETER MOHR
Mit Tinker, Taylor, Soldier, Spy legt der Ullstein Verlag fünf Jahre nach dem Tod des Autors die Neuübersetzung eines der wohl besten Bücher von John le Carré vor. Nachdem die deutsche Erstausgabe 1974 von Rolf und Hedda Soellner übersetzt wurde – der deutsche Titel lautete damals Dame, König, As, Spion –, nahm sich jetzt Peter Torberg dieser Aufgabe an. In der George-Smiley-Reihe le Carrés ist Tinker, Taylor, Soldier, Spy Band 5. Davor hatte es eine fast zehnjährige Pause gegeben, die le Carré mit zwei Romanen füllte, in denen sein Meisterspion nicht auftrat. Das mag daran gelegen haben, dass der Autor das Problem, dass Smiley zwischenzeitlich aus dem Dienst gedrängt worden war, erst einmal literarisch zu bewältigen hatte. Indem der Autor ihn als eine Art Berater wieder in den »Circus« einschleust – in den folgenden Bänden wird er hauptverantwortlich für den Umbau des MI 6 sein – macht er das auf die denkbar eleganteste Weise. Von DIETMAR JACOBSEN
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