Textfeld | Martin Jürgens:Liebende mit Promotion DEUTSCHLÄNDERIN UND DEUTSCHLÄNDER 1 Sie lieben beide Aznavour, Den frühen Peter Stein Und heute? Immer noch Die Pina Bausch und „In the Mood for Love“. “Zum Weinen schön.” Er nickt. Soviel Konsens Am ersten Abend schon, Nach einer Flasche Chateauneuf.
Textfeld | Wolfgang Denkel: Drei Gedichte
Schwerkraft
Leuchtgrüne Libelle, nadel-
dünn. Dein schimmernder
Flügel grüßt von so weit
her. Einst wollte auch ich
ihn mir wachsen lassen.
TITEL-Textfeld | Martin Jürgens: Vier Gedichte Beauty-Case DEUTSCHLÄNDERIN I Ka-heienz, ich bin da drüben, ja? Und lacht. Es zieht Im airport Malaga Ein beautycase in Richtung duty–free, Zwei goldne Riemchen Um die Knöchel.
Textfeld | Wolfgang Denkel: Gedichte
Ohne jeden Klang
Ein Heben des Kopfes
ein Blick zum Feld
damit die Weite mich
entstöre. Friedlich
durchrauschen mich
die Unvereinbarkeiten
Menschen | Neue Gedichte zum 85. Geburtstag des Schriftstellers Cees Nooteboom
Der poetische Weltenbummler Cees Nooteboom hat noch einmal eine neue Inspirationsoase gefunden. »Es ist kalt und nicht so angenehm, aber sehr schön, und die Nordsee ist sehr wild. Das war eine wunderbare Atmosphäre«, bekannte der niederländische Autor über die westfriesische Insel Schiermonnikoog. Dort und in seiner Zweitheimat Menorca sind die Verse des neuen Gedichtbandes ›Mönchsauge‹ entstanden. Ein Porträt von PETER MOHR
Lyrik | Peter Engel: Drei Gedichte Bestandsaufnahme Die Scheibe hat einen Sprung, schwarz hängt ein Spinnwebfaden von der Decke und dreht sich, Strahlen befingern den Teppich, als suchten sie nach mir.
Lyrik | Anette Hagemann: Gedichte In Tuwa Zwei Straßen nur führen nach Kysyl, und es reiten dort die Jungen und die Alten einhändig auf den Pferden: Als geschmeidige Zentauren bewegen sie sich durch die Steppe, die so weit ist, wie die Gesänge kehlig klingen und der Blick mancher Augen ins Unabsehbare geht – umgeben von Falten, verschmitzt, wie geschnitzt, genauso wie die Seen hier von Zweigen und Strauchwerk umgeben sind. Und manchmal gurren die Kamelkälber am helllichten Tag wie geschwätzige Uhus und in der Hauptstadt gründen die Schamanen Gemeinschaftspraxen
Lyrik | Axel Görlach: Zwei Gedichte gegen das streunen konfektionierter sinntumore gegen das atemkalksein brauchen wir entzündung versfäden gordisch gewirkt zur brücke ins weltall die stadt geschlagen in sternenfilz noch wäscht uns der fluss die sevofluranprogramme aus dem blut
Lyrik | Axel Görlach: Zwei Gedichte das sich auflösen von tragflächen bis nur schweben bleibt das prickelnde diamond-dust-flirren um die stirn einen moment lang ewig wie phylogenese oder das springen des lichts von rot auf grün ein neuer strom haut tanzender genomschablonen im gegenlicht die umrisse abhebender hydranten kristallmutationen nebensonnen über dem glas der kanzel das schließen der augenblende im meer aus halos + flares ihr ausgestreckter arm die boeing in der hand hoch über dem rollstuhl fliegen
Kulturbuch | Helmut Böttiger: Wir sagen uns Dunkles Um ihr Leben ranken sich zahlreiche Mythen und Legenden: Ingeborg Bachmann und Paul Celan. Wie nahe Anziehung und Abstoßung, Verletzungen und Verzeihen beieinanderliegen, auch wenn sich die Unmöglichkeit der Nähe abzeichnet, zeigt Helmut Böttiger in seinem facettenreichen Doppelporträt ›Wir sagen uns Dunkles‹. Von INGEBORG JAISER

