Kinderbuch | Harry Woodgate: Opas Camper
Opa erzählt seiner Enkeltochter aus der Vergangenheit. Eine wichtige Rolle spielt darin ein rosafarbener Camper, mit dem er die Welt erkundete. Von ANDREA WANNER
Opa erzählt seiner Enkeltochter aus der Vergangenheit. Eine wichtige Rolle spielt darin ein rosafarbener Camper, mit dem er die Welt erkundete. Von ANDREA WANNER
Die Tage zu zählen, sei sinnlos. Die Fangpause, hieß es, werde dauern.
Der Ausguck und Thimbleman hockten am Strand, in Sichtweite der ›Boston‹, sie hatten den Nachmittag über landeinwärts Holz gesammelt, morsche Stücke, leicht brennbar. Nun saßen sie davor, ohne daß sie sich gelangweilt hätten, die Zeit verstrich, sahen zu, wie von Osten gemächlich die Dämmerung heraufzog, der Ausguck entzündete das Feuer.
Sanctus und Touste schlenderten von der ›Boston‹ herüber und gesellten sich dazu, die Flamme züngelte, knisternd bildete sich Glut, niemand sprach oder bewegte sich, sie standen im Bann des Feuers.
Thimbleman legte von Zeit zu Zeit einen Scheit nach, darauf bedacht, die Flamme niedrig zu halten, die Temperaturen waren subtropisch mild, es ließ sich aushalten, das rastlose Flackern zog die Blicke auf sich.
Friedrich Schiller ermordet? Freund Goethe kann es nicht glauben. Doch als er den aus dem Kassengewölbe des Weimarer Jakobskirchhofes geborgenen Schädel seines kongenialen Partners und Mitklassikers in Händen hält und einen winzigen Einstich an der höchsten Stelle des Schädels, »dort, wo die Knochennähte Schläfen- und Stirnbeine fixierten«, entdeckt, bleibt eigentlich keine andere Erklärung übrig, als dass Friedrich Schillers Tod am 9. Mai 1805 kein natürlicher gewesen sein konnte. Fortan treibt es den alten Freund um. Von Weimar nach Jena und zurück. Von Hofarzt Huschke zu Schillers ehemaligem Diener Georg Rudolph. Von Caroline, der noch lebenden Schwägerin des Freundes zu Johanna Schopenhauer. Und immer wieder zu seiner Schwiegertochter Ottilie und ihren beiden kleinen Söhnen, die er mehr schätzt als Sohn August. Goethe, der Nationaldichter, ist zum Kriminalisten geworden. Und Johannes Wilkes (Jahrgang 1961), Autor zahlreicher Reiseführer, Sachbücher und Kriminalromane, begleitet ihn mit viel Witz und einem munteren Mix aus Vergangenheit und Gegenwart auf seiner Suche nach Schillers Mörder. Von DIETMAR JACOBSEN
Mia ist 16 und es sind die letzten Sommer, bevor wirklich Neues in ihrem Leben beginnt: Sie wird mit ihrer besten Freundin auf ein Musikgymnasium gehen. Aber diesen letzten Sommer verbringen sie – wie immer zu fünft: Mia, Else, Jens, Halvor und Are. Es wird sich vieles ändern. Von ANDREA WANNER
Ein kleines Mädchen sieht rund um sich jede Menge Hobbys, Freizeitbeschäftigungen und Leidenschaften – aber für sie steht fest: »Ich mag Mathe!« ANDREA WANNER war neugierig auf diese Geschichte.
Von wem das Wort stammt?
Maschinenwesen? Vom Goethe aus Europa.
Und, Thimbleman?
Es trifft.
Wie, es trifft.
Du siehst es überall, wirf einen Blick in den Hafen, der Windjammer werde vom maschinengetriebenen Dampfer abgelöst, und über Land werde der Schienenstrang der Eisenbahn bis hin zum Pazifik verlegt.
Das wäre das Maschinenwesen?
Entdeckungslust kommt bei MARC PESCHKE auf. Doch ganz so weit soll Anfahrt für fünf Tage nicht sein. Also mal wieder nach Thüringen – diesmal nach Meiningen im Landkreis Schmalkalden-Meiningen. Die Kreisstadt im fränkisch geprägten Süden Thüringens hat etwa 25.000 Bewohner, liegt im Tal der Werra und ist – man sieht es gleich – eine Perle des Klassizismus.
Urlaubszeit, sie zieht sich heutzutage eigentlich quer durch das Jahr, oft kurzentschlossen geplant, manchmal lange im Voraus gebucht. Eines wissen wir und sagen es regelmäßig nach den Ferien: die Zeit verging viel zu schnell. Wie man das ändern könnte, das verrät dieses Buch. BARBARA WEGMANN hat es sich angeschaut.
In ›Der Junge‹ befasst sich der erfolgreiche Bestsellerautor Fernando Aramburu mit den Auswirkungen eines realen Ereignisses auf eine Familie. VON BETTINA GUTIERREZ
Rolf, die junge taffe Assel aus Unterbach, und Rose, der zarte Schmetterling von der Oberwiese, haben etwas gemeinsam: Für beide ist der Tag ein besonderer. Sie müssen beweisen, dass sie erwachsen sind und Verantwortung übernehmen können. Und dann begegnen sich die beiden, die eigentlich von Natur aus Feinde sind. Von ANDREA WANNER
Manchmal findet man etwas, das sehr ungewöhnlich ist, das seltsam ist und einen fasziniert. So ergeht es in diesem sehr stimmungsvollen Bilderbuch einem Maulwurf, genauer gesagt dem Maulwurf Emil. Was Maulwurf Emil da findet, dazu BARBARA WEGMANN.
Die Erschaffung der Welt sei beileibe kein einmaliges Ereignis, sie bedürfe der ständigen Wiederholung und Erneuerung. Tilman schmunzelte.
Ist das so?, fragte Annika: Wer sagt das? Deine Ägypter?
Immer auf der Höhe der Zeit, spottete Farb.
Wir versetzen uns in die dreieinhalbtausendjährige Kultur des Alten Ägypten, das sei keineswegs ein abwegiges Gedankenspiel, sagte Tilman, angesichts einer Gegenwart, die daran arbeite, die Abläufe des Lebens und ihre Grundlagen zu zerstören.
Rothenburg ob der Tauber. Der Name klingt, bis heute. Aber es ist schwierig, über die Stadt zu schreiben. So viel wurde schon geschrieben. »Eine Stadt, deren Gesicht auf eine Postkarte gepresst wurde«, so Hans Dieter Schmidt in seinem sehr lesenswerten Taubertal-Buch ›Melusine und schwarze Wasser‹. Oder der Kunsthistoriker Georg Dehio: Die Stadt sei »als Ganzes ein Kunstwerk« schreibt er. Und Herbert Schindler in seinem Buch über die Romantische Straße, an der Rothenburg liegt: Rothenburg, das sei schlichtweg die »Lieblingsstadt der Welt«. Von MARC PESCHKE
Die Familie Mandil lebt in Jugoslawien. Es ist ein gutes und glückliches Leben, das ein jähes Ende findet: Es herrscht Krieg, der Zweite Weltkrieg. Die Nazis besetzen Jugoslawien und der dort lebenden jüdischen Bevölkerung droht das gleiche Schicksal wie überall, wo die Schreckensherrschaft Fuß fasst. Die Familie muss fliehen und Hilfe findet sie an unerwarteten Orten. Von ANDREA WANNER
Halbseidene Etablissements, Morphium- und Kokainexzesse, Affären mit beiden Geschlechtern – das war die Welt der Tänzerin Anita Berber. Der Autor Steffen Schroeder lässt in der ausschweifenden Romanbiographie Der ewige Tanz ihr selbstzerstörerisches Leben zwischen Ekstase, Euphorie und Eigensinn wieder aufscheinen. Von INGEBORG JAISER
Zum 3. und letzten Mal erlebt die Igelgruppe ein gemeinsames Abenteuer in der Kita. Gemeinsam haben sie ›Waldtage‹ verbracht und in ›Die Eroberung der Villa Herbstgold‹ ein Altersheim aufgemischt. Jetzt steht vor dem Übergang in die Schule noch ein Übernachten im Kindergarten an. Coole Sache, findet ANDREA WANNER.
Interessant, spottete Wette.
Wer sich auf dieses Thema einlasse, sagte Farb, öffne ein Faß.
So verstanden sei der US-Präsident fremdgesteuert, sagte Wette, ohne jeden Zweifel, sagte er, unübersehbar, nicht Herr seiner Sinne, er lachte, und als sei er vom Teufel geritten.
Wer sich auf dieses Thema einlasse, wiederholte Farb, öffne ein Faß, und man müsse dasselbe für den russischen Präsidenten gelten lassen, das Streben nach Macht – ebenfalls eine dämonische Kraft – werfe einen Menschen aus der Bahn und schädige den Charakter, er erkenne sich nicht wieder, er sei auf dem falschen Weg, er werde sich selber fremd.
Fremdbestimmt durch dämonische Energie, sagte Wette.
Die Geschichte der zentralen Figur ihres neuen Romans über eine jesidische Familie im Nordirak, eine Jesidin namens Helen, deren Herkunftsland der Irak ist, basiert auf wahren Begebenheiten. Der Ende 2024 in deutscher Übersetzung erschienene Roman ›Das Vogel Tattoo‹ von Dunya Mikhail widmet sich den Themen Identität, Verlust und Hoffnung des jesidischen Volkes. Der Titel des Buches leitet sich von einer Liebesgeschichte zwischen Helen und Elias ab, seit dieser Zeit haben sie beide Vogel-Tattoos. Von DIETER KALTWASSER
Wasserstress: Der Titel ist noch milde ausgedrückt für die Lage, in der sich Mexiko-Stadt und seine Bewohner und Bewohnerinnen befinden. Einerseits fehlt hier meist Wasser an allen Ecken und Enden, von sauberem Wasser ganz zu schweigen. Andererseits schüttet es in der Regenzeit oft wie aus Kübeln und es kommt regelmässig zu Überschwemmungen.
Wie es zu dieser äusserst misslichen Lage kam und wer alles Schuld daran trägt, davon handelt ›Wasserstress‹. Gleichzeitig berichtet das Buch ausführlich über einen weiteren Leidtragenden der Wassermisere: den Axolotl (Ambystoma mexicanum) – das Tier auf dem Umschlag des Buchs. Von MARTIN GEISER
Mit dem autobiographischen Comic ›Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens‹ feierte Ulli Lust ihren internationalen Durchbruch. Nun erschien der erste Band ihrer zweibändigen Sachcomic-Reihe ›Die Frau als Mensch‹ bei Reprodukt. Er bricht mit dem verbreiteten Bild steinzeitlicher Gesellschaften, in denen keulenschwingende Männer den Erhalt der Gruppe sichern, während Frauen sammeln, gebären und den Nachwuchs hüten – und schafft dabei so manche Aha-Momente. Von CHRISTIAN NEUBERT
Mit Der König knüpft Norwegens Bestsellerautor Jo Nesbø an seinen Roman Ihr Königreich an, der seine Leserinnen und Leser vor 4 Jahren mitnahm in die abgeschiedene Welt von Carl und Roy Opgard im Südosten Norwegens. Im Unterschied zu Nesbøs gewaltstrotzender Harry-Hole-Reihe, die es inzwischen auf dreizehn Bände gebracht hat, erzählte er darin mit deutlichen Anspielungen auf die alttestamentarische Kain-und-Abel-Geschichte von zwei höchst unterschiedlichen Brüdern. Carl, der Leichtlebigere der beiden, hat die letzten 15 Jahre fern von Norwegen verbracht und kommt mit großen Plänen zurück: Ein Spa-Hotel soll seinen Heimatort aufwerten und ihn und die junge Frau, die er mitgebracht hat, reich machen. Roy, der in Os geblieben ist, das elterliche Anwesen verwaltet hat und eine Tankstelle betreibt, handelt weitaus bodenständiger als sein jüngerer Bruder, der noch jedes seiner bisherigen Projekte in den Sand gesetzt hat. Und doch kommen die beiden nicht voneinander los. Eine tragische Vergangenheit mit mehreren bis in die Gegenwart ungeklärten Todesfällen schweißt sie aneinander. Und macht ihre Beziehung auch nicht einfacher, wenn es nun darum geht, wer von den beiden Brüdern der wahre Nachkomme ihres geschäftstüchtigen Vaters wird. Eine Rezension von DIETMAR JACOBSEN
Zugegeben: es gibt Bücher, auf die freut man sich noch vor dem Erscheinen besonders. Und wenn man sie dann in Händen hält, weiß man warum. Die Geschichten von Marianne Dubuc gehören auf jeden Fall dazu, findet ANDREA WANNER.
Der Tod ist für Kinder eine einschneidende Erfahrung. Es ist schon schlimm, wenn ein Haustier stirbt, aber wenn ein geliebter Mensch plötzlich nicht mehr da ist, kann das zu Krisen führen. Vor allem auch die Erfahrung, dass man nicht der Einzige ist, der trauert, sondern dass sich auch sonst alles verändert, weil auch die anderen in der Familie mit dem Verlust klarkommen müssen. Eine schwierige Aufgabe, findet ANDREA WANNER, die Samy vor sich hat.
Er denke darüber nach, sagte Wette, wie sinnvoll es sei, hinter den Ereignissen dämonische Kräfte zu sehen.
Farb lächelte.
Manche Dinge träten dermaßen verworren auf, ergänzte Wette, daß sich eine logische Erklärung nicht mehr finden lasse.
Ein Beispiel, fragte Farb.
Klimawandel, sagte Wette.
Immer fällt was aus den Büchern
heraus, eingelegte Ausschnitte
oder ganze Satzteile,
die am Rand rot markiert sind,
beim Schütteln eine Philosophie.
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