TITEL-Textfeld | Wolf Senff: Ultimativ
Auch dieser Konflikt hat seine Regeln, Farb.
Tilman schenkte Tee ein und nahm einen Keks.
Einer ist der Schurke, die anderen sind gut?
Mag sein, Farb, aber das spielt keine Rolle.
Ich denke, doch, Tilman.
Auch dieser Konflikt hat seine Regeln, Farb.
Tilman schenkte Tee ein und nahm einen Keks.
Einer ist der Schurke, die anderen sind gut?
Mag sein, Farb, aber das spielt keine Rolle.
Ich denke, doch, Tilman.
Nur verschwindend geringe 16 Prozent der Bevölkerung hatten im Jahr 2013 Vertrauen in die politischen Parteien. Weniger als jeder fünfte Bürger also. Vier nicht, einer vielleicht. Seitdem dürfte es nicht besser geworden sein. Die etablierten Parteien und ihre Akteure (Politiker) haben ein Vertrauens- und Akzeptanzproblem. Die Gründe dafür präsentiert Gregor Hackmack in seinem Buch ›Demokratie einfach machen‹ sehr pointiert auf etwas mehr als 130 Seiten. Von BASTIAN BUCHTALECK
Jeder kennt sie, in vielen Buchausgaben hat man ihre Geschichte erzählt, man hat ihnen auch schon ein Denkmal gesetzt in Köln, ihrer Heimatstadt. Und vermutlich hoffen die Kölner noch heute insgeheim auf ihre Rückkehr, irgendwann vielleicht, und sie wünschen sich: »Ach, dass es noch wie damals wär‘!« Von BARBARA WEGMANN
Sommerferien in Wien und eine genervte Familie, der die Renovierung eines geerbten Häuschens über den Kopf wächst: Was käme da passender als ein Wünsche erfüllender Flaschengeist, findet ANDREA WANNER
Es sollen seine letzten Bücher werden. Mit der Trilogie über eine irische Mafia-Gang in den USA der 1980er Jahre, deren erster Band, City on Fire, nun auf Deutsch vorliegt, will sich Don Winslow von seinen Lesern verabschieden. Nicht in den Ruhestand, wohlgemerkt, sondern in den Kampf gegen die weltweit spürbare existentielle Krise der Demokratie, die in seiner Heimat, wie er fürchtet, erneut in einer Präsidentschaftskandidatur von Donald Trump kulminieren könnte. Dass sich dieser Kampf besser mit Argumenten, wie Winslow sie zum Beispiel auf seinem Twitter-Kanal oder in kurzen YouTube-Filmen an Millionen von Followern versendet, ausfechten lässt statt mit Romanen, ist dabei die feste Überzeugung des Erfolgsautors. Von DIETMAR JACOBSEN
Ob sie noch schreibe, wollte Farb wissen.
Anne zögerte zu antworten und griff nach einem Keks.
Oder sei das zu persönlich gefragt.
Keineswegs, nein, wehrte sie ab, im Gegenteil, das sei ein Thema, das sie sehr beschäftige.
Tilman blickte auf.
Farb schenkte Tee nach.
Es war später Nachmittag, Regen schlug gegen die Scheiben.
Im Kamin flackerte künstliches Feuer.
Gewiß, sagte sie, sie schreibe nach wie vor, nur seien die Umstände schwierig, der literarische Markt rotiere mit atemberaubendem Tempo, vergeblich suche man schrittzuhalten, wöchentlich würden neueste Hitlisten präsentiert.
Ausgerechnet an einem Schauplatz vergangener literarischer Größen spielt Heinz Strunks aktueller Abgesang auf die bürgerliche Welt. Ein Sommer in Niendorf könnte sich romantisch, bedeutungsschwer und vielversprechend anfühlen. Doch der Kosmos dieses novellenartigen Romans hält eine Vielzahl an unberechenbaren Faktoren parat: Alkoholismus, emotionale Schwäche, sozialer Abstieg. Das konsumiert man als Leser mit angehaltenem Atem, doch nicht ohne unterschwelliges Staunen. Von INGEBORG JAISER
Ein kleines Mädchen erklärt: »Heute will ich in den Zoo gehen.« Wer ihr auf dem Weg durch die Stadt folgt, wird staunen, findet ANDREA WANNER
Gibt es eine schlimmere Zeit im Leben als die Pubertät? Wenn man auf der Suche nach sich selbst ist und echte Probleme hat, sich zu finden? Die dänische Autorin und Illustratorin Stine Stregen begleitet mit ihrem Stift ein Mädchen durch Teile dieser Phase. ANDREA WANNER konnte mitfühlen.
Schön daß Sie trotz der abenteuerlichen Ereignisse um Dulzberg bis hierher durchhalten, in jedem Verein treten verschiedene Charaktere auf. Sehen Sie, ein Buch ist keine homepage, die mit einem Mausklick auf den Schirm gezogen wäre, und noch bei denen, die lesen, müssen wir uns fragen, was sie verstehen, doch ich schweife ab, ding, ich hatte das vermeiden wollen.
»Vielleicht ein Versuch, die Zeit aufzuhalten und geräumtes Gelände zurückzugewinnen. Weit kommst du nicht mehr, aber fang nicht damit an, deine Schritte zu zählen; allein dein Schatten, falls Sonne vorhanden, begleitet dich«, heißt es im neuen Band »Die Rückkehr der Gewohnheiten« aus der Feder des viele Jahrzehnte unterschätzten Schriftstellers Jürgen Becker. Als »eine maßgebliche Stimme der zeitgenössischen Poesie« wurde Becker 2014 völlig zu Recht bezeichnet, als ihm der Georg-Büchner-Preis, die wichtigste literarische Auszeichnung Deutschlands, verliehen wurde. Von PETER MOHR
»Wohin« ist nach diesem Buch nicht mehr die Frage, höchstens »wann«? Deshalb: Vorsicht: Inspiration, die Koffer zu packen, sie liegt in diesem Buch sehr anregend zwischen allen Seiten, meint BARBARA WEGMANN
Gleich vorneweg, in seinem Titel ist das Buch ›Die Kunst des digitalen Lebens. Wie Sie auf News verzichten und die Informationsflut meistern‹ im Mindesten ungenau, vielleicht sogar »fake«. Das Buch hat nur am Rand mit digitalem Leben zu tun. Hauptsächlich geht es um die Nachrichtenflut, die den modernen Menschen überschwemmt und darum, diese Überflutung zu vermeiden. Insofern trifft der zweite Teil des Buchtitels den Inhalt viel besser. Doch da der Autor des Buchs zuvor die sehr lesenswerten Bücher ›Die Kunst des klaren Denkens‹ und ›Die Kunst des klugen Handelns‹ geschrieben hat, so ist der Titel aus Gründen des Marketings als Reihentitel zu verstehen. Dabei ist dieser zweite Teil des Titels inhaltlich richtig überzeugend geworden, findet BASTIAN BUCHTALECK
Es ist Jens Daums erstes Kinderbuch und wenn ich einmal mutmaßen darf: sicher nicht sein letztes. Was für eine hübsche Geschichte um ein bezauberndes Wesen, das seinen Schlaf sucht. Der Name des Wesens ist Lu, er ist ein Lale. Und das erinnert mich an meine ganz frühen Kindheitstage. Von BARBARA WEGMANN
»Es geht in diesem Prozess gar nicht um meinen Roman, sondern um Ideologie«, hatte Nobelpreisträger Orhan Pamuk kürzlich in einem Interview erklärt. Mehrmals hatte ihn die Staatsanwaltschaft zum Verhör einbestellt, nachdem die große türkische Tageszeitung Hürriyet eine regelrechte Hetzjagd gegen den Schriftsteller inszeniert hatte. »Was bezweckt Orhan Pamuk damit, dass er Atatürk verhöhnt? Will er einen Aufruhr anzetteln? Will er dem Ausland eine Botschaft senden?«, lauteten die rein rhetorischen Fragen des Chefredakteurs Ahmet Hakan. Dieses verbale Säbelrasseln am Bosporus im Vorfeld des Erscheinens der deutschen Übersetzung erschwert eine unbefangene Lektüre des neuen anspielungsreichen und ausschweifenden Pamuk-Epos. Von PETER MOHR
Zum dritten Mal macht sich Arnaldur Indriðasons pensionierter Polizist Konráð auf die Suche nach einem verschwundenen Menschen. Wie in den beiden Vorgängerromanen der Reihe - Verborgen im Gletscher (2017, deutsch 2019) und Das Mädchen an der Brücke (2018, deutsch 2020) – wird er auch diesmal von seiner Ex-Kollegin Marta unterstützt. Die ist meist wenig begeistert, wenn sich Konráð in ihre Arbeit einmischt. Doch weil sie diesmal am Schauplatz eines Mordes einen Zettel mit seiner Telefonnummer findet, versucht sie natürlich herauszufinden, was dahintersteckt, ohne zu ahnen, in welche Tragödie ihr Anruf sie und ihren ehemaligen Kollegen verwickelt. Von DIETMAR JACOBSEN
Weggeworfen wird schnell, wer einmal drauf achtet: Es fällt viel Müll an – alte Kleidung, die man nicht mehr braucht, leere Konservendosen oder Plastikflaschen, die irgendwo im Gebüsch landen. All das ist selten böse gemeint, nur unbedacht eben. Aber lange werden wir uns dieses Unbedachtsein mehr leisten können in einer Welt, die zunehmend zugemüllt wird und in der die Natur gefährdet ist. Da kommen Tipps, wie man Dinge, die man eigentlich entsorgen wollte, zu richtig tollen neuen Dingen umgestalten kann gerade recht, meint BARBARA WEGMANN.
»Ich habe das Recht, mein Leben bis zum Schluss leben zu dürfen. In meinem Alter verlange ich nur eines: dass sie mich in Frieden sterben lassen! Den Rummel habe ich zu lange mitgemacht! Jetzt meide ich ihn. Deshalb bin ich so gern in Pietrasanta in der Toskana«, hatte die Schauspielerin Gina Lollobrigida erklärt, die vor 15 Jahren noch einmal für ein kräftiges Rascheln im Blätterwald sorgte. Die angekündigte Hochzeit mit dem 34 Jahre jüngeren spanischen Unternehmer Javier Rigau platzte dann aber doch. Von PETER MOHR
Ein Aufstand? Und deshalb, sagst du, kommen sie zuhauf über den Ozean? Wie kommst du darauf, Thimbleman?
Sie erzählen es in der Barbary Row, die Welt ist aus den Fugen.
In deinem Alter solltest du dich nicht in zwielichtigen Spelunken herumtreiben. Aber es stimmt. In südlichen Provinzen Chinas tobt ein gewaltiger Aufstand, unvorstellbar, fünfzehn Jahre lang, er wird zwanzig bis dreißig Millionen Menschenleben fordern.
Auch mit einem 9 Euro-Ticket kann man diese Züge und Strecken und Bahnhöfe nicht mehr wiederbeleben. Traurige Relikte, aber auch faszinierende Zeugnisse aus alter Zeit, schließlich standen Dampfloks zwei Jahrhunderte für wirtschaftlichen Aufschwung. Und mal ehrlich, ihr Väter und großen Jungs: Wer hat nicht noch eine Eisenbahn mit allem Drum und Dran im Keller? Die aber wird wohlbehüteter sein, als diese hier auf 190 Seiten porträtierten Züge, die Schienen auf denen sie fuhren und die Bahnhöfe, an denen sie hielten. Von BARBARA WEGMANN
Fabienne ist 16 und anders. Wie anders kann sie nicht wirklich fassen, obwohl sie es ständig versucht. Ihr Tagebuch (das sie nicht so nennen will, weil sie Tagebücher hasst) gibt Einblicke in die Gedanken und das Leben eines ganz besonderen Mädchens. Von ANDREA WANNER
Die Alten sind stur und miesepetrig, die Jungen rücksichtlos und frech: Generationenübergreifende Begegnungen sind nicht immer einfach. Die Graphic Novel von Baltscheit & Becker verfolgt einen spannenden Ansatz, findet ANDREA WANNER
Im Herbst 1876 reiste Friedrich Nietzsche für sieben Monate nach Sorrent in Italien, eingeladen von der Schriftstellerin und Mäzenin Malwida von Meysenbug. Ihn begleiteten der Philosoph Paul Rée und ein junger Student namens Alfred Brenner. Auch Richard und Cosima Wagner trafen sich 1876 im italienischen Sorrent mit Nietzsche. Das idyllische Küstenstädtchen sollte zum Schauplatz ihrer letzten Begegnung werden und darüber hinaus zu einem Ort, der über die Erfüllung von Lebensträumen entscheiden sollte. Von DIETER KALTWASSER
Sommer, Ferien, klare Sache, der Fotoapparat muss mit. Und neben dem steigenden Bräunungsgrad der Mitreisenden werden Meer, Wellen, Küste, maritime Stimmungen und Milliarden von Muscheln fotografisch festgehalten. Was meist aus Augenblick und Bauch heraus passiert, das kann man professionalisieren, updaten und zielgerichtet verbessern. Dieses Buch, so meint BARBARA WEGMANN, hilft dabei ungemein.
Wer hat den Paläontologen Professor Brunner getötet? Vor dieser Frage stehen Interims-Polizeipräsident Adalbert Ignatius Kluftinger und sein Team in ihrem zwölften Fall. Der sie dorthin führt, wo wissenschaftlich Sensationelles stattgefunden hat, nämlich die Entdeckung des ältesten Menschenaffen der Welt. Bescheiden hat ihn der Professor nach sich selbst benannt: Udo. Und damit nicht nur Teile der Fachwelt gegen sich aufgebracht. Aber überrollt man den ungeliebten Kollegen deshalb gleich mit einem Bagger? Kluftinger ermittelt, wie man das von ihm inzwischen gewohnt ist, auch in Affenhitze etwas chaotisch, aber letzten Endes mit scharfem Blick für das Wesentliche. Und auch an Nebenkriegsschauplätzen verwüstet er wieder einige. Von DIETMAR JACOBSEN
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