Lyrik | Peter Engel: Außerdienststellung eines Oberhemds
Jahrelang hast du mich ertragen,
während ich deinen schönen Stoff trug,
deine Baumwolle war nachhaltig
und hat mich temperiert,
mit dir fühlte ich mich besser
als mit anderen deiner Art.
Jahrelang hast du mich ertragen,
während ich deinen schönen Stoff trug,
deine Baumwolle war nachhaltig
und hat mich temperiert,
mit dir fühlte ich mich besser
als mit anderen deiner Art.
Wie ein Daumennagel groß,
taubenblau auf einer Seite,
auf der anderen weiß,
doch an welchem Buchrücken fehlt es
und hinterließ einen Schaden?
Hannah Pecks neues Kinderbuch ›Ein Fall für Kate: Mit Volldampf in ein Abenteuer voller Schnurrhaare, Schneebesen und Schabernack!‹ erinnert ein wenig an Agatha Christies ›Mord im Orientexpress‹. Nur dass hier niemand stirbt (so ein Glück!), dafür aber einige wertvolle Gegenstände spurlos verschwinden. ALEXA SPRAWE hat die junge Reporterin Kate sehr gerne bei ihren Ermittlungen begleitet.
So schwierig kann es ja wohl nicht sein, einen Elefanten, der sich versteckt, zu finden. Na ja, im afrikanischen Busch vielleicht. Aber doch nicht in der Wohnung oder im Garten. Zwei Freunde spielen Verstecken und sie machen das ziemlich toll, findet ANDREA WANNER.
Aus dem fiktiven Hochsicherheitsgefängnis Pronghorn in der Wüste Nevadas entfliehen fast sämtliche Insassen, 606 teils schwerkriminelle Häftlinge. Captain Celine Osbourne, die Leiterin des Todestrakts der Anstalt, ist vor allem daran interessiert, einen der Flüchtigen schnell wieder einzufangen: John Kradle, vor fünf Jahren wegen dreifachen Mordes verurteilt. Der freilich will die unverhoffte Gelegenheit dazu nutzen, endlich seine Unschuld zu beweisen und den wahren Mörder seiner Frau, seines Sohnes und seiner Schwägerin zu finden. Allerdings heftet sich gleich als die Gefängnismauern hinter ihm liegen ein gefährlicher Psychopath an seine Fersen. Und auch U.S. Marshal Trinity Parker, nicht zimperlich in der Wahl ihrer Mittel, setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um die entwichenen Schwerverbrecher schnellstmöglich wieder hinter Gitter zu bringen. Condice Fox 606 gelesen von DIETMAR JACOBSEN
Sensible Systeme sind störanfällig.
Ist hinlänglich bekannt.
Nur daß ungern darüber geredet wird, Tilman, schon gar nicht öffentlich.
Beim Ausbruch des Vulkans Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai in der Südsee riß an zwei Stellen ein wichtiges Unterseekabel ein, mit dem nahezu alle digitalen Informationen einschließlich Telefon- und Internetkommunikation übertragen werden, die internationalen Verbindungen mit Tonga sind seitdem gekappt, man muß sich das ausmalen, es werde Wochen dauern, den Schaden zu beheben, ein Kabelreparaturschiff sei unterwegs, die Dinge gestalten sich kompliziert.
Mit der Covid-Pandemie endet aktuell dieses spannende Buch und es beginnt mit einem Blick in die Zeit vor mehreren Tausend Jahren. Zeiten, zu denen es Dr. Google noch nicht gab, dafür aber den weitverbreiteten Glauben an Geister, Dämonen, an Magie und Hexerei. Von BARBARA WEGMANN
Diesmal ist es kein islamistischer Terror, der in Michel Houellebecqs neuestem Roman Vernichten heraufbeschworen wird. Das 600 Seiten starke Buch des »Sehers der Moderne« richtet sich – wie zuletzt auch in Serotonin (2019) – nach innen: diesmal auf den Zerfall der Familie (oder besser gesagt, den vielleicht vergeblichen Versuch, diese zu kitten) und auf den Rückzug des Ichs. Dieser Rückzug des Menschen auf das Private, diese Innenschau wird unterstützt durch die neuesten Apparaturen der medizinischen Diagnose. Es kommt also noch mehr zum Vorschein als der Frust über menschliche Beziehungen. Von HUBERT HOLZMANN
Manchmal machen Kraken ja Schlagzeilen, wenn sie zum Beispiel Fußballergebnisse vorhersagen, oder die Hauptrolle in einem Oscar-prämierten Dokumentationsfilm spielen. Spätestens seit diesem Film, ›Mein Lehrer, der Krake‹, gehören diese – zugegeben erst auf den zweiten Blick – wunderschönen Tiere zu meinen Favoriten. Im vorliegenden Buch kann man eine ganze Menge über die geheimnisvollen Tiere lernen, findet BARBARA WEGMANN .
Schön, wenn es Bücher gibt, die man ganz bestimmt öfter in die Hand nehmen wird, vielleicht am Abend, wenn man noch nicht einschlafen kann, wenn vielleicht gerade Vollmond ist. Eine wundervolle Mischung aus Kunst und Poesie, aus Geschichten und Musik, aus Malerei, Lebensweisheiten und Rezepten. BARBARA WEGMANN hat nicht müde werdend in dem Buch geblättert.
Sinnlos, sagte Sut, ganz und gar sinnlos, und setzte sich in Widerspruch zu Termoth. Der war überrascht und schwieg.
Nichts werden wir ändern, ergänzte Sut Welcome to hell, sagte er: Der Geist des Todes werde den Menschen heimsuchen..
Wer zuhörte, erschrak.
Termoth nickte und lächelte. Auf keinen Fall würde er sich dazu äußern. Es gab unumstößliche Gewohnheiten, es gab Regeln, an die er sich hielt. Auf der ›Boston‹ das Wort zu ergreifen, das kam für ihn nicht in Frage, die ›Boston‹ war das Territorium von Sut.
Diese 192 Seiten tun weh, irritieren, machen mehr als nachdenklich. ›Drecksarbeit‹, der Titel ist für manche dieser zehn Geschichten noch untertrieben. Jan Stremmel will treffen, will wachrütteln, will aufklären. Von BARBARA WEGMANN
»Mein Vater war sehr leger und trank gern, er war ein Spaßvogel. Kaum auf der Welt, suchten mich Schulen, Krankenhäuser und alles Mögliche heim. Ich leistete meine Zeit ab und bestand auf meiner Freizeit. Ich schrieb Bücher, bis mich das Sitzen schmerzte. Dann machte ich Filme, weil ich mich bewegen wollte. Die Kinder, die ich habe, fangen wieder von vorne an. Grüß Gott!« Mit diesen typischen, schelmisch-provokanten Sätzen hat Herbert Achternbusch vor einigen Jahren sein eigenes Leben beschrieben. Zugespitzt, drastisch, gegen den Strom – so wie sein gesamtes künstlerisches Werk. Von PETER MOHR
Bücher haben die Macht, mit den Dimensionen Raum und Zeit zu spielen, mit ihnen gleichsam zu jonglieren, das Ferne ganz nah herzuholen, auf das Nahe mit Distanz zu blicken, Vergangenheit und Zukunft aufzuheben. Einem außergewöhnlichen Bilderbuch gelingt das auf unnachahmliche Art, findet ANDREA WANNER
Weil der bekannte schwedische Schriftsteller Franz J. Lunde im Anschluss an eine Lesung spurlos verschwindet, muss Gunnar Barbarotti, der in Kymlinge für die Ermittlungsarbeit zuständig ist, ran. Es ist der siebte Fall für den Nachfolger des genial-vergrübelten Kommissars Van Veeteren im Werk des 71 Jahre alten Håkan Nesser und ein ganz und gar ungewöhnlicher dazu. Denn Lunde hat ein Erzählfragment hinterlassen, in dem angedeutet wird, dass er zuletzt von einer immer wieder auftauchenden Leserin gestalkt und bedroht wurde. Viel Arbeit für Barbarotti, zumal Lunde nicht der einzige verschwundene Literat bleibt und auch im fiktiven Kymlinge die Corona-Pandemie das Leben und Arbeiten zunehmend erschwert. Von DIETMAR JACOBSEN
Nein, sagte Termoth, in Kalifornien habe es keine so gravierenden Einschnitte gegeben wie 1832 den Trail of Tears oder 1890 die Schlacht am Wounded Knee, in Kalifornien sei die Ausrottung der Ureinwohner geschmeidig verlaufen, es habe keinen Aufschrei gegeben, und es sei nicht leicht, das Geschehen zu rekonstruieren, zumal die indigenen Stämme bereits von den Spaniern gewaltsam hätten christianisiert werden sollen, doch statt eines Erfolges habe sich Syphilis ausgebreitet und dazu in Epidemien Pocken, Typhus und Cholera, unerfreuliche Mitbringsel der Eroberer – die indigene Bevölkerung, vor der spanischen Missionierung siebzigtausend, sei bis zum Ende der Indianerkriege 1890 um über drei Viertel auf siebzehntausend reduziert worden.
Touste stutzte und spielte einige Töne auf der Mundharmonika.
Thimbleman starrte den Ausguck an.
Crockeye lächelte.
Eldin vergaß den Schmerz in der Schulter.
Der Erdüberlastungstag, also der Tag, an dem wir Menschen mehr Ressourcen verbraucht haben, als die Erde erzeugen kann, springt jedes Jahr im Kalender weiter nach vorne. Nicht mehr lange und er wird den Frühling erreicht haben. Macht es da noch Sinn Geld für später, vielleicht in 30 Jahren, anzulegen und falls ja, wie?
Was tut man also, wenn man etwas Geld übrig hat und es für spätere Zeiten sparen möchte? Bislang steckte man sein Geld in eine Geldanlage, damit aus Geld mehr Geld werde. Allein die Rendite war maßgeblich für die Wahl der Anlage. Doch das reicht angesichts schwindender Rohstoffe und des Klimawandels nicht länger. Von BASTIAN BUCHTALECK
Nicht alle Menschen sind für die Arbeit als Bauer geschaffen. Manche sind zum Maler geboren, manche auch dann noch mit nur einem Motiv. Wie der kleine Junge, der obsessiv immer nur Katzen malte. Was ihm dann einmal das Leben rettete. Von GEORG PATZER
Der inzwischen 77-jährige Bernhard Schlink hält in seinem neuen Roman Die Enkelin mehr als dreißig Jahre nach dem Mauerfall ein leidenschaftliches Plädoyer für ein verständnisvolles, vorurteilsfreies Miteinander. »Versöhnen, nicht spalten«, lautete einst die Losung des Ex-Bundespräsidenten Johannes Rau. Und auf einen Rund-um-Versöhnungskurs schickt Schlink auch den männlichen Protagonisten seines Romans, den Buchhändler Kaspar. Von PETER MOHR
Eine kleine Maus hat ehrgeizige Pläne: Sie will einen Kuchen für das Krokodil backen. ANDREA WANNER ist ihr gerne in die Küche gefolgt.
Höchste Zeit, sagte Anne, höchste Zeit auch für eine feministische Kultur des Gedenkens.
Tilman beugte sich vor.
Unser Blick auf die Gegebenheiten hat zu wenig Struktur, sagte Anne, wir gedenken der Opfer des Terrorismus, der Opfer der Mafia, der Opfer von chemischen Waffen, der Opfer von Flucht und Vertreibung, wir etablieren einen Olympia-Tag, einen Tag des Jazz, einen Europa-Tag, das alles ist wichtig nebst vielem darüber hinaus.
Tilman schenkte Tee nach.
Doch bleiben diese Themen nicht letztlich beliebig?, fragte Anne.
Er stellte die Teekanne zurück auf das schlicht weiße, zierliche Stövchen.
Und? Was fehlt?, fragte er.
Schon zu seinen Lebzeiten wurde Michelangelo Buonarotti zur Legende und von seinen zahlreichen Verehrern »Il Divino« genannt: der Göttliche. DIETER KALTWASSER hat Horst Bredekamps monumentales Buch über Leben und Werk des einzigartigen Künstlers gelesen.
Nach langen Jahren der Recherche zum vermeintlich unendlich komplexen Thema Ernährung hat der US-amerikanische Journalist und Autor Michael Pollan festgestellt, alles aktuelle Wissen lasse sich auf sieben einfache Worte reduzieren: »Iss Essen. Nicht zu viel. Überwiegend Pflanzen«. Dieser simplen Erkenntnis steht ausgerechnet die sogenannte westliche Ernährungsweise entgegen, also unsere Ernährungsweise. Darum hat Pollan das Buch »64 Grundregeln Essen« geschrieben.
Wer den Begriff des Räucherns mit schmackhaftem Fisch verbindet, der liegt zwar schon ganz richtig, aber damit ist der Begriff längst noch nicht erschöpft: gerade jetzt in den dunkler werdenden Monaten ist das Räuchern beliebt und hat eine lange Tradition und Geschichte. Schon beim Blättern im Buch hat man Räucherduft schon fast in der Nase, meint BARBARA WEGMANN
Am 12. Dezember 2020 verstarb mit John le Carré der Schriftsteller, dessen Name wohl am engsten mit der Geschichte des Spionagethrillers in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verbunden ist. Ob Kalter Krieg, Globalisierung, internationaler Terrorismus oder Systemwandel nach 1989/90 – John le Carrés Romane suchten immer eine Antwort auf die Zeit, in der sie entstanden. Nun ist mit Silverview ein letztes Buch aus dem Nachlass des Mannes erschienen, dessen Werken nicht nur eine zeitpolitische, sondern auch eine literarische Bedeutung zukommt. Noch einmal wird darin über die Beschreibung einer verhängnisvollen Konfrontation die Aufmerksamkeit auf brisante Fragen unserer Gegenwart gelenkt. Von DIETMAR JACOBSEN
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