Kinderbuch | Anitra Rowe Schulte: Der kleine Hase und die alte Weide
Bevor ich noch die Geschichte las, hat mich die wundervolle Illustration geradezu gefangen genommen: BARBARA WEGMANN freute sich auf Buch, Inhalt und Text.
Bevor ich noch die Geschichte las, hat mich die wundervolle Illustration geradezu gefangen genommen: BARBARA WEGMANN freute sich auf Buch, Inhalt und Text.
Mit dem ihr oft verliehenen Etikett der »grande dame« der deutschen Literatur konnte sich die Schriftstellerin Marie Luise Kaschnitz nie anfreunden. Obwohl sie nur in ihrer »Jugend« Romane und nach dem Krieg vorwiegend Gedichte und Erzählungen geschrieben hat, gilt sie als eine der herausragenden Gestalten in der deutschen Nachkriegsliteratur. Von PETER MOHR
Im Interview spricht RUDOLF THOMAS INDERST mit dem Literaturwissenschaftler, Verleger und Kurator Christian A. Bachmann über sein Buch Paperverse und die enge Verflechtung von Papier, analogem Spiel und digitaler Spielekultur. Als selbsternannter »Grenzgänger« zeigt er auf, wie sich die Materialität von Spielkarten, Pop-up-Büchern oder Brettspielen bis in heutige Videospiele fortsetzt und warum die vermeintlich alteuropäische Papierlogik für Game Designer nach wie vor inspirierend ist. Ein Plädoyer für eine Medienwissenschaft, die die unscheinbaren Dinge ernst nimmt.
Er hat sich mehr als ein Jahrzehnt Zeit gelassen. Aber nun ist er da, der neue Roman des inzwischen 88-jährigen Thomas Pynchon. Von dem man immer noch nicht viel weiß, weil er sich nach wie vor konsequent jeglicher Öffentlichkeit verweigert. Frei nach der Devise: Was zählt, ist das Werk, nicht der Autor. Schattennummer heißt sein neuester literarischer Streich. Knapp 400 Seiten lang ist der – für Pynchon-Verhältnisse also eher schmal. Und nachdem die ersten paar Kapitel sich lesen, als wäre man unversehens in die Welt von Raymond Chandler oder Dashiell Hammett geraten, landet man schließlich doch noch da, wo in den Romanen des ewigen Nobelpreis-Kandidaten schon immer der Wahnsinn tickt. Von DIETMAR JACOBSEN
In den Augen eines Kindes ist die Welt voller Meisterwerke, die nur darauf warten, aufs Papier gebracht zu werden. Doch sobald der Stift die weiße Fläche berührt, passiert oft etwas Seltsames: Das stolze Pferd sieht eher aus wie ein wackeliger Tisch, und das Porträt der Eltern erinnert mehr an eine freundliche Wolke mit Punkten. Mina versucht es mit einer Katze und verschiedenen Eulenvariationen und macht genau diese Erfahrung, stellt ANDREA WANNER fest.
Jana versucht, mit ihrem alleinerziehenden Vater den Alltag in den Griff zu kriegen. Der stark übergewichtige Mann, der nie das Haus verlässt, und dessen Ziel es ist, mit Onlinespielen reich zu werden, ist dabei keine große Hilfe. Aber das Motto der beiden ist, sich nicht unterkriegen zu lassen. Ganz schön taff, findet ANDREA WANNER.
Ein erfülltes, glückliches Leben, fragte Wette, unmöglich, sagte er, wie könne das sein.
Wer halte das aus, spottete Farb.
Das Leben könne ekstatische, glückliche Momente bieten, sagte Tilman, zeitlich befristet, nach einem Lotto-Gewinn oder einer bestandenen Prüfung, aber ein glückliches Leben, nein, das könne er sich nicht vorstellen.
Digitale Spiele haben auch in diesem Jahr Diskurse eröffnet, verschoben wie verdichtet und standen im Spannungsfeld von Ästhetik, Politik und Alltagserfahrung (freilich ohne deshalb ein Leitmedium zu sein!) In unserem Ressort blicken wir zu dritt zurück auf Spiele, Debatten und Konstellationen, die das Medium als kulturelle Praxis sichtbar gemacht haben: ein Jahresrückblick auf Linien, Brüche und offene Fragen.
Mit Trag das Feuer weiter beschließt Leïla Slimani ihre marokkanisch-französische Romantrilogie, die eng an ihre eigene Familie angelehnt ist und nicht nur die aktuelle Generation im Spannungsfeld zwischen Tradition, Moderne und Widerstand zeigt. Von INGEBORG JAISER
Leo steht kurz vor dem Abi und jobbt ein bisschen nebenher bei Bodo Frowein, der in seinem Laden nur Zigaretten ohne Banderole verkauft. Allerdings ist Bodo auch ein begnadeter Hacker, und verschafft Leo und seinen Freunden die Matheaufgaben fürs Abi. Klar ist das illegal, aber es ist nichts im Vergleich zu dem, was auf Leo wartet. Von ANDREA WANNER
Brot oder Brötchen, Butter, Marmelade, Honig, Käse, Wurst, Müsli, Joghurt, Obst, Eier, Kaffee, Tee, Saft ... Vermutlich sind das die Gedanken, die einem zunächst in den Kopf kommen, wenn ein Bilderbuch sich mit dem Thema Frühstücken beschäftigt. Weit gefehlt, weiß ANDRA WANNER, denn in diesem zauberhaften Buch geht es um so viel mehr als morgendliche Nahrungsaufnahme.
Ein erfülltes, glückliches Leben, fragte Wette, unmöglich, sagte er, wie könne das sein.
Wer halte das aus, spottete Farb.
Das Leben könne ekstatische, glückliche Momente bieten, sagte Tilman, zeitlich befristet, nach einem Lotto-Gewinn oder einer bestandenen Prüfung, aber ein glückliches Leben, nein, das könne er sich nicht vorstellen.
In den Spessart reist MARC PESCHKE, mal wieder – er hat es gar nicht weit. Hinein in den großen Wald, ein Wald der Superlative sogar, ist er doch der größte zusammenhängende Laubmischwald Deutschlands.
Maria Schell hatte zeitlebens mit dem »Seelchen«-Klischee aus den 1950er Jahren zu kämpfen, das seinen Ursprung in einigen kitschigen Liebesfilmen hatte. »Mich hat nicht die Seele, sondern das ›chen‹, diese Verniedlichung, gestört«, erklärte die Schauspielerin einmal in einem Interview. Dass sich die achtmalige Bambi-Preisträgerin in mehr als 70 Filmen, über 40 Fernsehproduktionen und unzähligen Bühnenengagements in anspruchsvollen Charakterrollen quer durch die Weltliteratur gespielt hat, ist beinahe schon in Vergessenheit geraten. Von PETER MOHR
RUDOLF THOMAS INDERST spricht mit Leon Janßen, dem neuen Präsidenten des E-Sport Verband Bayern, über Aufbruch und Verantwortung. Im Gespräch geht es um Gemeinnützigkeit, Verbandsarbeit und die politische Verortung des E-Sports. Ein Blick auf Strukturen, Hoffnungen und die Frage, wie nachhaltig digitale Spielkultur organisiert werden kann.
»Bewegung ist Leben, die, die sich am meisten bewegen, sind die, die am meisten leben«, bekennt die im Rollstuhl sitzende Maria Alberta Nunes Amado, genannt Dona Alberti, die nach einem Unfall in einem Pflegeheim mit dem irreführenden Namen »Hotel Paraíso« lebt. Sie ist eine betagte, starke, eigenwillige Frau und hat ihrer Tochter in mehreren Audiodateien ihre Lebenserinnerungen diktiert. Dies ist der erzählerische Rahmen des neuen Romans der portugiesischen Schriftstellerin Lidia Jorge (Jahrgang 1946), deren Romane viele Jahre im Suhrkamp Verlag erschienen waren, sich aber im deutschsprachigen Raum nicht durchsetzen konnten. Von PETER MOHR
Estrich glaubt, als außerirdischer Spion getarnt unter Menschen zu leben – stets damit beschäftigt, deren seltsame Gewohnheiten für sein geheimes Logbuch zu protokollieren. Keine einfache Aufgabe, denn das Schülerleben gibt ihm jede Menge Rätsel auf. Und dann verschwindet auch noch sein Tagebuch. Von ANDREA WANNER
Koffer wecken Vorfreude auf Urlaub, Reisen, Abenteuer, sie stehen für Abschied und manchmal für Neuanfang und was in ihnen steckt, ist von außen nicht zu sehen. Es wird Zeit in ein paar von ihnen einen Blick zu werfen, findet ANDREA WANNER.
Schwierig, sagte Wette, die Situation sei ungemein schwierig.
Zugegeben, sagte Farb, die gewachsene Ordnung breche ein, während der Dekaden neoliberaler Politik hätten sich hochsensible ökonomische Strukturen etabliert, wir nähmen das an diversen Details wahr, Abläufe seien rationalisiert, etwa mit dem Transport per Container, dem weitgehenden Verzicht auf Lagerhaltung, etc.
Wie gehabt, sagte Wette, Habgier sei ein Grundzug dieser Ökonomie, und wo immer möglich, suche man Gelder einzusparen.
»Für diejenigen, die blieben, wuchsen die Unterschiede zwischen Werten und Normen des Altenteilerhauses und der Welt da draußen, in die wir jeden Morgen mit dem Rad hineinfuhren.« Die Welt des Altenteilerhauses ist die der Senioren der Bauernfamilie Frie. Es steht auch für die alte bundesrepublikanische Gesellschaft. Das Buch »Ein Hof und elf Geschwister. Der stille Abschied vom bäuerlichen Leben« zeichnet den enormen Wandel der Landwirtschaft von den 1940er bis hin zu den 1970er Jahren nach und skizziert die Auswirkungen auf die Gesamtgesellschaft. Von BASTIAN BUCHTALECK
Romeos Vater stirbt. Er hat Krebs, austherapiert, nicht mehr zu machen. Das ist für alle eine schwierige Situation, für Vater, Mutter und den elfjährigen Romeo. Der zieht sich mehr und mehr in sich zurück – bis plötzlich ein Huhn auf dem Balkon vor seinem Zimmer auftaucht. Und das ist erst der Anfang. Von ANDREA WANNER
Eine Frauenleiche sorgt im Hungerwinter 1946 dafür, dass sich der für die Berliner Kriminalpolizei als Kommissar arbeitende Ex-Jurist und -Polizist Alfred König und die junge Fotografin Marielouise Faber kennenlernen. Direkt aus dem Zuchthaus Brandenburg-Görden heraus hatten die sowjetischen Besatzer König wegen seiner politischen Unbedenklichkeit zum Kommissar gemacht. Derweil ist Lou in den Straßen der zerstörten Stadt mit ihrem Fotoapparat unterwegs und hat die Tote in einer Ruine entdeckt. Zunächst sind es ihre professionellen Fotos, die zur Ermittlungsarbeit der Polizei beitragen. Doch als sie und König sich näherkommen, lernt der Kommissar auch die Intuition der jungen Frau zu schätzen. Das ist nicht zuletzt deshalb nützlich, weil weitere Frauen getötet werden und die Spuren in die Vergangenheit zurückweisen. Von DIETMAR JACOBSEN
Wie wird ein Tag zum guten Tag? Einfach mal machen! Wie das geht, verrät Philip Waechter in seinem fröhlichen Wimmelbilderbuch, für das man sich viel Zeit nehmen sollte, rät ANDREA WANNER.
Ein glückliches Leben, fragte Farb, wie er das verstehen solle.
Oder erfolgreich, sagte Wette, solle man das vielleicht an der Anzahl der Pokale erkennen.
Undenkbar, sagte Annika und lachte.
Eine Freundin, Elke, sagte Wette, habe nach dem Studium einige Jahre lang Biologie auf einer Insel in Ostfriesland unterrichtet, sei dann zu einer privaten Fernsehanstalt in die Großstadt gewechselt, habe dort als Programmdirektorin gearbeitet, sie habe nichts ausgelassen, so sage sie selbst, ein Haus auf Mallorca, ein Pferd, sei stets im Mittelpunkt des Geschehens, verheiratet, geschieden, sie sei Anfang sechzig, und der Prozeß infolge der Scheidung sei noch immer anhängig, nennen wir das nun, frage er sich, ein erfolgreiches, ein glückliches Leben, nein, er wisse das nicht.
Wir haben uns alle schon mal die Zunge verrenkt beim Versuch Sätze wie »Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid« oder »Zwischen zwei zwitschernden Schwalben sitzen zwei schwatzende Schwestern und schwätzen zwischen zwitschernden Schwalben« schnell und fehlerfrei nachzusprechen. Wer mal wieder Lust darauf hat, dem legt ANDREA WANNER die von Bodo Wartke wieder neu belebten Zungenbrecher ans Herz.
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